12.02.07, 20:21:43
Sandrogh
Sandroghs Werdegang
Sandroghs dunkle Kleidung, seine Augen als auch seine schulterlangen, schwarzen Haare lassen eine Düsternis um seine Gestalt entstehen, welche nicht gerade dazu einlädt eine freundschaftliche Unterhaltung zu führen. Auf den zweiten Blick jedoch verrät einem ein lächeln oder ein freundlicher Gruß, dass er gerne mit dem Eindruck des ersten Blickes spielt und sehr wohl zur Geselligkeit neigt, auch wenn er dies zu verleugnen versucht.
Meine erste Erinnerung reicht bis in meine frühe Kindheit zurück. Man sagt, dass wichtige Einschnitte im Leben die ersten Erinnerungen sind, welche einem behalten bleiben. Meine Mutter war eine Magd, welcher das Empfangen von Kindern verboten war. Man sagte mir später sie habe mich mit Erfolg fünf Sommer lang vor Ihrem Herrn versteckt, bis dieser Verdacht schöpfte. Nun würde ich meinen Gemütszustand als Gleichgültigkeit bewerten, welcher mir innewohnte, als ich das Blutverschmierte Gesicht meiner Mutter unter den Hieben ihres Herrn zerbrechen sah.
Mein Vater kam mich holen, damit ich dem Schicksal meiner Mutter nicht folgte. Meine Eltern liebten sich damals und auch wenn ich ihm nicht Geheuer war umsorgte er mich mit der Liebe, welche meine Mutter mir hätte zukommen lassen. So sagte er zumindest, doch ich glaube mir ging es noch besser. Ich lachte wie jeder andere Junge und ich kann mich daran erinnern, dass ich mein Leben für das meines Vaters gegeben hätte, doch so etwas wie Mitgefühl, oder Trauer empfand ich nie. Liebe auch nicht – und so kam es, dass ich ihm, nach seinem Ableben durch einen Sturz von einem Baum die Taschen leerte, seine Habseligkeiten nahm und durch die Wälder zog, welche mein Vater mir zeigte.
Ich fühlte mich einsam bis ich einer Gruppe von Räubern begegnete. Woher ich wusste, dass es sich um Räuber handelt? Auf der Jagd nach Beute begegnete ich solch Abschaum häufiger. Manchmal zum Nachteil für mich, doch noch häufiger zum Ende deren Lebens. Blicke ich zurück muss ich erkennen, dass die Zeit im Wald, ohne meinen Vater die schlimmste war in meinem Leben. Mich ergriffen Selbstzweifel und ich betrachtete mich selbst als Fremden. Dies war die Zeit in der ich zu trinken begann. Hatte ich meinen Vorrat verbraucht zog ich los und besorgte mir im Wald Felle, Fleisch oder irgendwas mit Wert, zum Tausch gegen das Feuerwasser. Es half, denn mich plagte der Gedanke anders zu sein. Dachte ich an meine Mutter, an meinen Vater oder an meine Begegnungen mit Räubern, erschrak ich nun vor mir selber. Ein neues erfrischendes Gefühl, welches einen zerreißen kann. Trauer, Liebe und andere Gefühle, welche eine Persönlichkeit ausmachen ergriffen mich in solchen Momenten. Das Feuerwasser machte träge, doch es linderte den Schmerz und verhalf mir wieder Kontakt zu Menschen aufzunehmen. Ich fiel eines Nachts in das Feuer der soeben genannten Gruppe von Räubern. Mein Schnaps und die Hoffnung auf mehr von ihm brachte sie dazu mir zu helfen: „Wenn du dich schon umbringen willst, dann gebe uns wenigstens deinen Schnaps!“. Also gab ich ihnen den verdienten Lohn und wir leerten an einem Abend meinen Vorrat. Ich schätze, dass es ein dutzend Flaschen waren von meinem guten Schnaps. Wir alberten herum und sogleich zogen wir gemeinsam herum. Der Abschaum und ich. Ich hörte auf zu trinken und gefiel mir immer mehr in meiner Rolle. Irgendwann jedoch überfielen wir eine vorbeiziehende Kutsche, sie war gut bewacht, doch wir planten schon seit längerem einen großen Fang zu machen. Ich hielt mich im Hintergrund als meine Freunde die bewaffneten Begleiter ausschalteten und ich in der Kutsche die hübscheste Frau meines Lebens erblickte. Am genannten Ziel angekommen erwartete mich die Einladung ihres Vaters: „Als Retter meiner Tochter lade ich dich ein am Hofe der Grafschaft Feuerbach zu speisen.“. Nachdem ich mich von dem Blut meiner Freunde befreit hatte und in meine neue Garderobe schlüpfte ließ mir mein Verstand nichts anderes übrig, als mich zu betrinken. Frauen sind zu leicht zu überzeugen. Selbst betrunken schaffte ich es diese schönste aller Frauen von mir zu überzeugen. Mehrere Sommer verbrachte ich mit ihr. Ich trank mehr als zuvor, diesmal kam noch ein unbekanntes Gefühl zu den anderen mich zerstörenden. Von dieser Zeit ist mir nicht viel geblieben, die meiste Zeit verbracht ich damit mich zu bemitleiden und zu trinken um dem Drang mein Leben neu zu beginnen nicht nachzukommen. So verließ ich die Grafschaft meine Frau und mein Kind kurze Zeit später um neu anzufangen, alles zu vergessen und ein Mensch zu werden, mit echten Gefühlen, echten Erlebnissen und echten Freunden.
„Es mag verwunderlich klingen, dass es Menschen gibt, die sich trotz aller Zuneigung und trotz eines sicheren Nestes, krank fühlen, denen etwas fehlt, welche zweifeln und verdrängen, doch auch wenn dies ein Leben lang dauert wird man irgendwann seine Bestimmung finden um sich selber mit Respekt zu begegnen. Geduld ist das Einzige was man benötigt um glücklich zu werden. So sicher, wie, dass auf die Nacht der Tag folgt, weiß ich, dass meine Gleichgültigkeit bald Vergangenheit ist und ich glaube zu wissen diese in neuen Abenteuern und Freunden zu verlieren.“
Sandrogh wählte also den Weg der Gefahren und des vermutlichen Todes, doch diesen beschreitet er mit einem lächeln, in dem Wissen nur dort zu existieren.