Alatáriel Ancalimé
19.02.07, 18:08:06
Alatáriel
So, nachdem Alatáriel nun auch eine ganze Weile Teil dieser Stadt ist, wird es wohl Zeit, endlich eine kleine Charaktergeschichte nachzuliefern. ;)
Erstmal einige äußerliche Eindrücke, die auch für jeden anderen ersichtlich sind:
Alatáriel ist mit 185cm recht hochgewachsen. Die Dunkelelfe, deren Äußeres dem einer jungen Frau mitte 20 nahe käme - wäre sie als Dunkelelfe nicht weitaus älter, wobei sie ihr Alter bisher niemandem preisgegeben hat - ist schlank und hat eine eher knabenhafte Figur, die kaum weibliche Rundungen erkennen lässt. Ihr langes Haar ist silberblond und würde, trüge sie es offen, ihr bis zu den Kniekehlen reichen. Meist hat sie es nachlässig zusammengebunden, so dass ihr nur einzelne lange Strähnen ins Gesicht fallen. Alatáriels Augen sind eisblau, wenn sie jedoch wütend wird - und das geschah in der letzten Zeit recht häufig - glimmen rote Funken in ihren Augen auf. Sie kleidet sich meist in recht schlichte Gewänder, fast ausschließlich lange Kleider und Mäntel, die sie in dunklen Farben bevorzugt. Immer bei sich trägt sie einen langen Eichenstab, der mit magischen Runen versehen ist und darauf schließen lässt, dass es sich um ein magisches Utensil handelt, obwohl sie den Stab auch als Stütze benötigt. Sie bewegt sich meist langsam und vorsichtig, als könne sie nur unter Schmerzen laufen, jedoch legt ihre Handhabung des Stabes die Vermutung nahe, dass sie durchaus in der Lage ist, damit als Waffe umzugehen - sei es im Einsatz von Magie, sei es als Stabkämpferin.
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Nachtrag:
Einen Stab braucht sie nicht mehr und trägt ihn auch nicht mehr bei sich. Seit ihrer Verwandlung bewegt sie sich so sicher wie nie zuvor, zudem graziler und auch schneller, mit übermenschlichen Reflexen ausgestattet.
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Ihr Wesen ist meist zurückhaltend, sie lässt sich jedoch bisweilen zu Zornesausbrüchen hinreißen, wenn ihr Temperament mit ihr durchgeht. Sie ist durch und durch Dunkelelfe, wenig kontaktbegierig und mit einer perfiden Freude daran ausgestattet, andere leiden zu sehen. Das Unglück anderer ist für sie weniger mitleiderregend als vielmehr unterhaltsam, und sie scheut nicht davor zurück, anderen Schaden zuzufügen, sollte sie Nutzen daraus ziehen - selbst wenn dieser Nutzen auch nur im Vertreiben ihrer Langeweile besteht....
16.10.07, 17:05:09
Alatáriel
Nachdem ich Alatáriels Tagebuch sträflich vernachlässigt habe, habe ich die Einträge gelöscht und werde hier nun eine grobe Zusammenfassung der Ereignisse aufzählen, die Alatáriels (Un-)Lebensweg in Mitheldarien nachzeichnen sollen.
Teil 1
Die Alatáriel, die ihre ersten Schritte durch das Stadttor nach Mitheldarien setzte, ist nicht mit der zu vergleichen, die sie jetzt ist. Sie lebte zunächt versteckt in der Stadt und meidete jeden Kontakt - ihre einzige Beschäftigung war es, auf Ilaya, eine Botin und so etwas wie eine Freundin, falls man bei Dunkelelfen überhaupt von Freundschaften sprechen kann, zu warten, damit diese ihr Nachricht aus ihrer Heimat bringen konnte. Niemandem hatte sie anvertraut, dass sie auf der Flucht war, im Exil lebte und Angst davor hatte, dass ihre Vergangenheit sie einholte.
Wochen vergingen, doch von Ilaya keine Spur. Alatáriel betrachtete dies recht nüchtern - entweder hatten ihre Häscher Ilaya gefasst und getötet, oder sie hatte sie verraten. Ihr ausbleibendes Erscheinen lies so oder so nur einen Schluss zu: Die Informationen über ihren Aufenthalt waren wahrscheinlich in die Hände geraten, die sie niemals hätten erreichen dürfen. Alatáriel zog sich daraufhin noch weiter zurück, misstrauisch allem und jedem gegenüber. Für sie sah es so aus, als könnte der Tod hinter jeder Ecke auf sie lauern.
Wieder vergingen Wochen, doch nichts geschah. Langsam wagte sie sich bei passender Gelegenheit immer mehr aus ihrem Versteck heraus und begann, die Stadt zu erkunden. Lichtbeter, über all nur verfluchte Lichtbeter! Eines Tages hatte sie auf dem Marktplatz eine Begegnung mit einem arroganten Jungen, die sich als folgenschwer herausstellen sollte. Norganath - so hieß der Knabe - verhöhnte sie, und sofort wurden Alatáriels Lebensgeister wieder wach. Sie fand zu einem Teil ihrer Selbst zurück, Gift und Galle spuckend, und sah in ihm ein lästiges Übel, das es zu beseitigen galt... Hitzige Wortgefechte folgten bei jeder Gelegenheit, bei der sich die beiden begegneten.
Eine weitere interessante Begegnung hatte sie nur wenig später... Sie lernte den Vampir Vladimir kennen und benahm sich diesem gegenüber selbst für ihre Verhältnisse doch sehr unangemessen.
Kurz darauf, als sie wieder in der Stadt unterwegs war, wurde sie von Norganaths Dschinn Nofrat, der sich in einen Wirbelsturm verwandelte, am Marktplatz aufgegriffen und durch Magie davongetragen. Der Knabe, den Alatáriels verbaler Gegenangriff wohl mehr beeindruckt haben musste, als es zunächst den Anschein hatte, hielt es für eine gute Idee, ihr mit dem Dschinn eine kleine Lektion zu erteilen. Dieser sollte sie anschließend über dem Stadtsee abwerfen und ihr so eine kalte Dusche verpassen. Beide bedachten aber nicht, dass hinter der hitzigen Dunkelelfe mehr steckte als nur ein cholerisches Mädchen. Sie hatte ihre ganz eigene Art der Magie, die sie im Geheimen praktizierte... Deshalb beachtete auch keiner der beiden den Stab, den sie immer bei sich trug und der mit einem blutroten Juwel gesockelt war. Als Nofrat Alatáriel mit sich hoch in die Luft riss, lies diese den Stab fallen, der zu Boden ging - und das Juwel zerbrach. Das war das letzte, was sie mitbekam, bevor sie am See wieder abgeworfen wurde.
Was ihr geschehen war, begriff sie relativ schnell - auch, wer ihr diesen Streich gespielt hatte. Als sie zurück auf dem Marktplatz war und dort den zerbrochenen Stein sah, war es, als würde etwas in ihr zerbrechen. Sie schwor Rache dafür, ohne jemandem zu erzählen, warum der Stein so wertvoll für sie war, und sie machte sich auf, Norganath zur Rede zu stellen - der sie, wie gewohnt, weiterhin verhöhnte. Erst dann begann sie einen Teil ihrer Vergangenheit zu enthüllen. Bitterböse, zutiefst verletzt und erschüttert warf sie ihm vor, das letzte, was sie von ihrem Bruder besaß, zerstört zu haben: ein Blutjuwel, ein Edelstein, der entstand, als sich ihr Bruder für sie opferte, um ihr Leben zu schützen. Der Stein sollte sie beschützen und ihre Spuren vor ihren Häschern verbergen. Der Junge verspottete sie weiterhin, gab ihr selbst die Schuld an allem und ließ sie dann stehen. Alatáriel, die wusste, das sie jetzt nichts mehr zu verlieren hatte - ohne den Schutzzauber des Steines würden ihre Verfolger sie finden - schwor Rache, und fasste den Plan, den überheblichen Jungen zu töten, um die Welt von einem Ärgernis zu befreien.
Eine passende Gelegenheit bot sich bald. Nachdem sie sich eine Weile völlig zurückgezogen hatte, zum einen aus Trauer um das letzte, was sie mit ihrem Bruder verbunden hatte, zum anderen aus Furcht, man könnte sie bald in der Stadt finden, wagte sie sich eines Abends wieder hervor, um sich auf die Suche nach einer Informationsquelle zu machen.
Die Suche war erfolglos, aber sie vergaß ihre Tasche auf dem Marktplatz. Nofrat, der Dschinn Norganaths, beobachtete dies - in der Gestalt eines kleinen, sprechenden Frosches. Er nahm die Tasche an sich und mit zu seinem Meister, und beide beschlossen, die Tasche ihrer Besitzerin zurückzugeben. Die Gründe dafür kennt Alatáriel bis heute nicht, aber letztendlich war dies das beste, was ihr passieren konnte. Die beiden drangen nachts in ihr Haus ein, doch Norganath begang einen großen Fehler: Er schlief in einem der behaglichen Sessel in ihren Räumen ein... Als Alatáriel ihn am nächsten Morgen so vorfand, handelte sie geistesgegenwärtig und begab sich zu der Eingangstür, während die zwei noch schliefen, und aktivierte mit einem Tropfen ihres Blutes ein mächtiges Türsiegel, das nur sie selbst durchlassen würde oder diejenigen, denen sie es ausdrücklich gestattete. Zufrieden kehrte sie zurück zu Norganath und Nofrat und weckte die beiden sehr unsanft. Sie erklärte ihnen, dass sie momentan "Gäste" in ihrem Hause seien - und nach einer kleinen Demonstration ihrer Fähigkeiten, die beide wohl unterschätzt hatten, waren sie von der Wahrheit dessen, was Alatáriel sprach, überzeugt.
Und so begann eine lange und mühselige Unterhaltung......
28.11.07, 13:50:06
Alatáriel
Teil 2
Aus der Not eine Tugend zu machen - wie dies funktionierte, würde Alatáriel bald feststellen. Norganath und sein Dschinn hatten sie unterschätzt, aber schnell musste sie feststellen, dass sie den hochnäsigen Jungen und dessen Kreatur ebenfalls unterschätzt hatte. Er war Beschwörer, und ein starker dazu, wenn man sich den Dschinn näher ansah. Und dass der an seinen Herrn gebunden war, stand außer Frage. Ein Plan begann sich in Alatáriels Kopf zu entwickeln..... Schließlich machte sie dem Jungen einen Vorschlag: Sie würde ihn freilassen, wenn er ihr mit seiner Beschwörungskunst helfen würde. Es war nicht leicht, den Jungen zu überzeugen, und nach einem nächtelangen Streit war er schließlich bereit, ihre Geschichte anzuhören, um abzuwägen, ob er ihr überhaupt helfen konnte.
Und so erzählte Alatáriel zum allerersten Male jemandem ihre Geschichte und offenbarte die Gründe dafür, warum sie nach Mitheldarien gekommen war.
Alatáriel wurde bereits als sehr junges Mädchen Schülerin eines des mächtigsten blutmagischen Zirkels des Unteren Reiches. Früh erkannte man ihr ungewöhnliches Potential und ihr Talent, und gemeinsam mit ihrem älteren Bruder Mikaël, der fortan als Alatáriels ainu ausgebildet wurde, wurde sie in die Obhut des obersten Zirkelmagiers, Anaximander, gegeben. Die Ausbildung war hart und langwierig, und nicht wenige der ohnehin spärlich gesäten Adepten erwiesen sich als zu schwach, als nicht zäh und willensstark und letztendlich als nicht talentiert genug. Mit nur drei weiteren Schülern an ihrer Seite – darunter Lucaan, ihr stärkster Konkurrent – gelang ihr der Aufstieg in die Klasse der Akolythen, und weiteres hartes Training und Studium folgte. Etliche Jahre später, die ereignislos verliefen, war der Zirkel der Ansicht, es sei Zeit, die Schüler in die letzten Prüfungen zu schicken. Nur Alatáriel und Lucaan überlebten und hatten folglich bestanden, und in einer anschließenden Zeremonie wurden sie zu vollen Mitgliedern des Zirkels ernannt.
Lucaan wurde nach einiger Zeit zur rechten Hand Anaximanders, währen sich Alatáriel weiter ihren Studien widmete. Sie hatte bereits relativ früh in ihrer Ausbildung Interesse an den Pfaden der Beschwörung gefunden und begonnen, sich in das Wissen einzuarbeiten; dabei zeigte sie durchaus Talent, zumindest wenn es um kleine, einfachere Beschwörungen ging. In ihrer Selbstüberschätzung und ihrem Hochmut wollte sie schließlich eine größere Beschwörung vornehmen und einen Dämon herbeirufen. Tief in ihren Inneren neidete sie Lucaans Stellung als zweiter Magier des Zirkels, denn sie selbst hatte große Pläne. Sie wollte Lucaans Position einnehmen, um schließlich Anaximander selbst zu Fall bringen zu können – dafür musste sie aber erst dessen Aufmerksamkeit auf sich lenken. Der festen Überzeugung, ein Beweis ihres Könnens könnte dies erreichen, wagte sie schließlich, einen Dämon herbeizurufen... Doch sie hatte die Grenzen ihres Könnens damit überschritten, und das Wesen, das im Äther ihren befehlenden Ruf hörte, war viel mächtiger als alles, was sie hätte kontrollieren können, und folgte nur aus hämischer Bosheit ihren Ruf, den es erkannte ihre Schwäche.
Der Dämon Kthurga erschien in Alatáriels Zirkel – und brach sogleich daraus aus. Er bemächtigte sich ihres Körpers, und begann einen mordlustigen Streifzug durch die Gegend, dem einige unglückliche Seelen zum Opfer fielen. Das Gerücht, dass ein Dämon durch die Gegend zog, erreichte schnell den Zirkel, und Anaximander, Lucaan und einige der fähigsten Magier zogen los, um das Untier aufzuhalten. Alatáriel hingegen wurde noch immer von dem bösen Geist kontrolliert, der mit perfider Freude auf ihr Gedächtnis zurückgriff, und der ihre Hand schließlich zu einem letzten, fatalen Schlag führte: Anaximanders Frau Cayre, das einzige Wesen, das ihm etwas bedeutete. Die Dunkelelfe, die selbst dem Zirkel angehörte, jedoch nie über den Rang der Adeptin hinausgekommen war und dies erstaunlicherweise auch nicht anstrebte, war zur Meditation in die Stille hinausgewandert, und so fand Kthurga sie: völlig in sich selbst versunken und ihrer Umgebung nicht gewahr. Er überwältigte sie, quälte und folterte sie, und als er bemerkte, dass sich jemand ihm näherte, tötete er sie. Anaximander selbst war es, der sich schließlich Alatáriel und Cayre näherte. Kthurga verließ Alatáriel und lies sie völlig verwirrt und desorientiert zurück – und dazu noch getränkt in Cayres Blut. Als der erste Zirkelmagier dies sah, war seine erste Reaktion, Alatáriel töten zu wollen – der vermeintliche Dämon war nichts anderes als seine ehemalige Schülerin gewesen! Doch ihr gelang mit Mühe die Flucht, und sie verbarg sich fern in den Höhlen, wo sie bald von Mikaël gefunden wurde.
Lucaan nutzte die Zeit, die die angeheuerten Häscher des Zirkels mit der Suche nach der Mörderin verbrachten, um vor Anaximander gegen sie zu hetzen. Sie sei neidisch auf ihn und auf den Zirkel-Ersten selbst, hätte aus Rache, aus fehlender Beachtung und aus blindem Neid heraus die Untaten begannen. Auch Mikaël beschuldigte er der Mittäterschaft und des Wissens um Alatáriels finstere Pläne. Ihr Bruder war ein starker Krieger, und jeder ainu würde seine aina bis zum Tode verteidigen, um sie zu schützen. Anaximander, der für die schlangenzüngigen Worte Lucaans mehr als offen war, rief schließlich das Blutgericht aus. Ein jeder, der den Geschwistern begegnete, durfte sie gefangen nehmen und sogar foltern, so lange er sie am Leben ließ. Der Zirkel musste benachrichtigt werden, und dieser würde dann die Hinrichtung der Verurteilten übernehmen. Ein nicht geringer Goldbetrag wurde auf die beiden Köpfe ausgesetzt, so dass bald die Jagd nach ihnen begann.
Alatáriel versuchte ein einziges Mal, Anaximander zu erklären, was geschehen war. Sie kannte zum damaligen Zeitpunkt Ilaya schon lange, und so setzte sie einen Brief auf, den diese schließlich überbringen sollte. Im Nachhinein war Alatáriel klar, dass Ilaya dies nicht heimlich getan haben konnte, sondern dass sie gefasst worden war. Nur so konnte sie sich erklären, warum Ilaya sie später im Stich gelassen hatte. Der Verrat an ihr musste der Preis für ihr Leben gewesen sein. Nachdem der Brief sein Ziel erreicht hatte, wurde das Kopfgeld auf beide noch erhöht – offenbar hatte Anaximander kein Wort des Briefes geglaubt und in ihm stattdessen nur Hohn und Spott gesehen.
Alatáriel und Mikaël beschlossen daher, das Land zu verlassen und in der Fremde unterzutauchen. Einige Wochen ging die Flucht gut, doch eines Nachts wurden sie von einer Gruppe Söldner überrascht, als sie schon geglaubt hatten, sie hätten genug Distanz zwischen sich und ihre Verfolger gebracht. Der Angriff war kurz und heftig, jedoch gelang beiden mit Mühe die Flucht. Mikaël jedoch war schwer verletzt worden, und während er im Sterben lag, machte er seiner Schwester das einzige Geschenk, das er ihr noch geben konnte: Er bot ihr seinen Schutz und seine Kraft auch nach seinem Tod an. Alatáriel wollte dies zunächst nicht annehmen, weil sie wusste, was dies bedeutete, doch auf das Drängen ihres Bruders hin machte sie sich ans Werk und begann, ein Blutjuwel mit ihrer Magie zu „schmieden“, einen Seelenstein, in dem die letzte Essenz ihres Bruders eingeschlossen war. Er starb schließlich. Alatáriel trug das Juwel fortan um den Hals, und in der Tat wirkte der Schutzzauber, so dass sie in der Lage war, ohne weitere Zwischenfälle ihre Flucht fortzusetzen. In einem kleinen Dorf ließ sie sich einen Stab anfertigen, der an der Spitze eine Fassung trug, in die sie das Juwel einsetzte. So ging ihre Reise weiter, bis sie schließlich Mitheldarien erreichte...
Norganath und Nofrat hatten wie gebannt zugehört, und beide verstanden nun, warum Alatáriel so zornig war. Der Schutzzauber, der sie vor den Augen ihrer Häscher bewahrt hatte, war mit dem Zerbrechen des Juwels erloschen, und die letzte Erinnerung an ihren Bruder war damit gestorben. Und nun war es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Zirkel Alatáriel fand und für ein Verbrechen zur Rechenschaft zog, das sie nie begangen hatte.
Alatáriel erklärte Norganath, dass sie Anaximander in die Stadt locken würde. Dort müsste er dann Kthurga beschwören, damit sie den Beweis hätten, dass dieser Cayre getötet hatte. Norganath erklärte sich bereit dazu, auch wenn noch unklar war, wie sie den Zirkelmagier in die Stadt brachten und ihn davon abhielten, Alatáriel gleich zu töten, sondern sich stattdessen ihre Beweise anzuschauen... Die Lösung dieses Problems verschoben sie auf vorerst auf später, da auch Alatáriel nach dieser Nacht keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Der „Handel“ war beschlossene Sache, und so öffnete sie schließlich das Türsiegel, das Norganath und Nofrat in die Nacht entließ und sie ratlos und verwirrt zurückließ – aber zum ersten Mal seit vielen Monaten nicht ohne Hoffnung.
02.01.08, 14:27:03
Alatáriel
Teil 3
Die nächsten Tage vergingen ereignislos. Alatáriel hatte jedoch eine böse Vorahnung, denn sie wurde das Gefühl nicht los, dass sich Gefahr wie eine dunkle Wolke am Himmel näherte. Also hielt sie sich weitgehend im Hintergrund, wagte sich nur selten nach draußen, es sei denn, sie traf sich mit Norganath, um die Einzelheiten ihres Vorhabens abzusprechen. Der neunmalkluge Junge hatte zumindest den Ernst der Lage erkannt... statt weiter seine Scherze über alles zu machen, musste er einsehen, dass der Dämon, den er rufen sollte, eine echte Bedrohung darstellte, und so erbat er sich von Alatáriel Zeit, um seine Vorbereitungen zu treffen.
Alatáriel wurde zunehmend ungeduldig. Die Vorbereitungen schienen nicht vorwärts zu gehen, und sie war sich nun sicher, dass Anaximander, Lucaan und der Rest der Meute ihre Spur gefunden hatten und sich der Stadt näherten. Die Zeit wurde knapp. Würde alles in dieser Geschwindigkeit weitergehen, wäre sie tot, noch bevor Norganath seine Vorbereitungen abgeschlossen hatte.
Für ein wesentliches Problem hatte sie noch keine Lösung gefunden... wie sollte sie Anaximander überhaupt dazu bringen, ihr zuzuhören? Das erschien ihr unmöglich. Nach allem, was vorgefallen war, durfte sie nur auf einen schnellen Tod hoffen, würde sie auf ihn und die anderen treffen. Die Zeit des Redens war vorbei, die Zeit der Taten war angebrochen - doch jetzt MUSSTE sie reden. Sie wusste nur nicht wie.
Die Lösung - so verhängnisvoll sie auch sein mochte - bot sich ihr einige Tage später.
Sie hatte vor einiger Zeit eine verhängnisvolle Bekanntschaft gemacht. Bei einem Zwischenfall, in den auch Vladimir involviert war, beledigte sie den Vampir, ohne viel von seiner wahren Natur zu wissen. Als sie sich ihr später offenbarte, fürchtete sie, sich eventuell einen mächtigen Feind gemacht zu haben, und um sich Schwierigkeiten zu ersparen - nicht etwa aus Reue - machte sie sich auf den Weg zu ihm, um sich zu entschuldigen.
Schließlich wurde sie in der Bibliothek fündig, denn dort traf sie Vladimir an und brachte die Entschuldigung hervor, so schwer es ihr auch fiel. Den alten Vampir schien das zu belustigen, und er fragte sie nach dem Grund für ihr Verhalten. Ohne darüber nachzudenken erzählte sie ihm die Geschichte, und er bot sich an, Alatáriel zu helfen und Anaximander samt der restlichen Gruppe in die Stadt zu schaffen und dort dafür zu sorgen, dass sie keinen Schaden anrichten konnten... Für einen kleinen Gefallen, selbstverständlich. Vladimir erbat im Gegenzug lediglich ein gemeinsames Abendessen - und mit fast grenzenloser Naivität willigte Alatáriel ein. Was war schon ein Abendessen? Und würde der alte Vampir diese Forderung nicht eh wieder vergessen, eine solche Banalität...?
Sie irrte sich.
Wenige Nächte später tauchte Vladimir bei ihr auf mit der Nachricht, er hätte die Drowmagier gestellt und in die Stadt gebracht. Er führte sie in die Bibliothek - in den Tiefen des alten Gebäudes, das wesentlich mehr war, als es von außen den Anschein hatte, fand sich ein geheimer Raum, in dem eine große Tafel stand. Und um diese Tafel versammelt saß die ganze Gruppe, mit Magie an die Sessel gebunden, so dass keiner in der Lage dazu war, sich mit Magie zu befreien oder Schaden anzurichten. Anaximander begann sofort zu toben, als Vladimir Alatáriel in den Raum führte, und bäumte sich mit aller Macht gegen die magischen Fesseln auf, die seinem Zorn jedoch standhielten. Noch während die Dunkelelfe versuchte, sich dem Zirkelmagier zu erklären, wuchs in ihr die Verzweiflung, denn er hörte ihren Worten nicht zu, sondern ließ stattdessen Fluch um Fluch gegen sie los, verwünschte sie, verdammte sie, schrie sie an...... bis Vladimir, dem Alatáriels Zustand nicht entgangen war, ihn zum Schweigen brachte. Mit letzter Kraft erklärte die Dunkelelfe dem Magier ihr Vorhaben und machte dann auf dem Absatz kehrt - die Zeit des Redens war entgültig vorbei. Vladimir geleitete sie zurück nach Hause, wo sie eine Nachricht Norganaths erwartete.
Alles war bereit. Die morgige Nacht würde alles entscheiden - zum Guten oder zum Schlechten.
Nachdem sie Vladimir das Versprechen abgenommen hatte, die Magier des Zirkels in der morgigen Nacht zum See im Park zu bringen, verabschiedete sich dieser, und Alatáriel begann, sich auf die morgige Nacht vorzubereiten.
Leben oder Tod - was würde morgen auf sie warten?
07.01.08, 18:15:02
Alatáriel
Teil 4
Nach einer schlaflosen Nacht und einem rastlosen Tag fand sich Alatáriel am Ufer des Sees ein. Norganath war bereits vor ihr dort eingetroffen, gemeinsam mit seinem Dschinn Nofrat, um alles für die Beschwörung vorzubereiten. Angespannt folgte sie dem Treiben, bis von Norganath schließlich der erhoffte und doch so gefürchtete Hinweis kam, er hätte seine Vorbereitungen abgeschlossen und könnte, wenn sie es wollte, jetzt beginnen. Auch ihm war das Unbehagen deutlich anzusehen - mittlerweile schien auch er begriffen zu haben, dass Alatáriel nicht Opfer eines Streiches, sondern eines mächtigen Wesens geworden war, das auch ihm gefährlich werden konnte... Sie konnte es seinem Gesicht ablesen, auch wenn er dies nie zugegeben hätte. Nicht vor ihr, nicht vor irgendjemandem. Es überraschte sie ein wenig, dass sie ihn bereits jetzt so gut einschätzen konnte, aber die Angst vor den bevorstehenden Ereignissen vertrieb alle anderen Gedanken.
Der einzige, der nun noch fehlte, war Vladimir, der Anaximander an den See bringen sollte. Als hätte er ihre Gedanken gelesen - und im Nachhinein war sie sich gar nicht so sicher, dass er es nicht getan hatte - erschien er am Seeufer, den Zirkelmagier im Schlepptau, und erklärte der Dunkelelfe, dass er den Magier erneut in magische Fesseln gelegt hatte, so dass dieser nicht fliehen oder angreifen konnte, und er würde zudem neben Anaximander der Beschwörung beiwohnen.
Norganath begann, das Ritual zu vollziehen, und in einem mächtigen Bannkreis, der fast den ganzen See umspannte, rief er den Dämon herbei. Das Wasser brodelte, Wind peitsche plötzlich über das vorher stille Gewässer, und Donner und Blitze zuckten über ihren Köpfen, als würde ein mächtiges Unwetter genau über ihnen toben. Dann erschien der böse Geist - und warf sich mit aller Macht gegen sein Gefängnis. Im ersten Moment sah es so aus, als würde der Energieschild, der den Bannkreis umspannte, nicht halten, doch Norganath verstärkte seine Anstrengung, und der Schild hielt. Wütend warf sich der Dämon wieder und wieder dagegen, ließ Hieb um Hieb auf die Wand aus Energie prasseln, so dass er Norganath an seine Grenzen trieb, doch noch hielt er durch, auch wenn sich abzeichnete, dass er dieses Spiel nicht lange durchhalten würde.
Alatáriel richtete sich zu voller Größe auf und rief den Dämon bei seinem Namen. In dem Augenblick, in dem er seinen Blick auf sie richtete, zuckten ihr die Bilder wieder durch den Kopf, alles was geschehen war, was er mit ihr und durch sie getan hatte, und die Last dieses Wissens drohte sie zu erdrücken. Doch sie wusste, sie hatte nur diese eine Chance, und so lockte sie den Dämon, schrie ihn an, verfluchte ihn, bedrohte ihn, beleidigte ihn, damit sie ihn dazu brachte, mit ihr zu reden. Und als er schließlich die Stimme hob, die so sehr in den Ohren schmerzte, als müsste man davon taub werden, erinnerte er die Dunkelelfe unter hämischem Gelächter an ihre "gemeinsamen" Taten und bot ihr in Erinnerung an alte Zeiten an, den alten Mann zu töten, wie er es mit seiner Frau getan hatte. Anaximander hörte all dem fassungslos zu, ohne die Möglichkeit, reagieren zu können... doch Alatáriel war bereits am Ziel angelangt. Sie schrie Norganath an, den Dämon zurückzuschicken, und die Bestie warf sich wieder mit aller Macht gegen ihr Gefängnis, das kurz davor war, zusammenzubrechen. Im letzten Moment gelang es, den Dämon zurückzuschicken, bevor der Energieschild und der Bannkreis durchbrochen werden konnten.
Zurück blieben ein fast zu Tode erschöpfter Norganath, eine ebenso zermürbte Alatáriel und Anaximander, der fassungslos alles mitangehört hatte. Mit einem Nicken zu der Dunkelelfe verschwand Vladimir schließlich und nahm den Zirkelmagier mit sich.
Norganath war als erster wieder auf den Beinen. Er half Alatáriel auf, und als sie sich ansahen, wussten beide, dass zwischen ihnen nun eine schicksalträchtige Verbindung bestand. Wie stark und von welcher Bedeutung dieses Band war, würden sie erst viel, viel später und unter schmerzlichen Umständen merken...
Hand in Hand - zum ersten und einzigen Mal - gingen sie zusammen davon.
Einige Tage später erhielt Alatáriel einen Brief von Anaximander. Er enthielt nur ein einziges Wort, ohne Unterschrift: "Frei." Sie hatte ihr Ziel erreicht.
11.02.08, 17:58:38
Alatáriel
Die folgenden Wochen verliefen ruhig.
Alatáriel musste sich erst an die wiedergewonnene Freiheit gewöhnen - wie merkwürdig es doch war, auf einmal ohne Angst durch die Tage und Nächte wandeln zu können.
Es geschah kaum etwas Erwähnenswertes. Alatáriel und Norganath verbrachten häufiger Zeit miteinander - streitend, diskutierend und spottend wurde ihr Verhältnis trotz aller Widrigkeiten geschwisterlich, und es schien so, als hätte Alatáriel tatsächlich eine aufrichtige Freundschaft zu ihm aufgebaut, ohne Hintergedanken, ohne verschleierte Ziele. Ein starkes Band wuchs zwischen ihnen, ohne dass sie sich darüber klar waren, wie stark diese Verbindung tatsächlich war. Das würde sich erst sehr viel später zeigen - nach einer Zeit, die ihr später wie ein ganzes Leben vorkam.
Nachdem weitere Wochen verstrichen waren, fand eines Tages eine Brieftaube den Weg zu ihr, die eine Nachricht mit sich trug, dessen Verfasser Vladimir war. Es sei an der Zeit, die zu begleichende Schuld einzufordern, und daher würde er sie zu einem kleinen Diner in die Bibliothek am darauffolgenden Abend einladen.
Mit gemischten Gefühlen sah sie dieser Begegnung entgegen, denn sie wusste, dass sie ihm nicht trauen konnte - auf der anderen Seite jedoch war ihr Ehrgefühl schon immer ausgeprägt, und wenn sie bei jemandem eine Schuld offen hatte, die eingefordert wurde, so zögerte sie nicht, diese zu begleichen.
Am Abend der Verabredung trat sie schließlich ein in die Bibliothek und wurde dort sogleich von ihrem Gastgeber auf seine übliche galante, wenn auch kühle Art begrüßt. Während eines knappen Wortwechsels führte er sie tiefer in die Bibliothek, und wieder war Alatáriel überrascht und beeindruckt davon, wie viel mehr in dem alten Gemäuer steckte, als sein Anblick von draußen vermuten ließ.
Plötzlich war ihr klar, dass er sie in eine Falle geführt hatte. Das seltsame Gefühl hatte sich verstärkt, und schließlich hatte sie erkannt, wie sie sich fühlte: Wie ein Opfer, das spürte, wie sich ein Raubtier anpirschte, ohne die Richtung zu kennen, aus der es kam und in die es selbst flüchten konnte. Und als Vladimir in ihren Augen das Erkennen, die Überraschung sah, zögerte er nicht länger, schlug ihr seine Zähne in den Hals und trank, trank, bis kein einziger Tropfen Blut mehr durch Alatáriels Körper floss.
Doch was geschah dann...? Sie war nicht tot. Sie lebte nicht. Und doch... Hatte er einen Funken in sie gepflanzt, einen winzigen Teil von sich selbst, der sie nicht sterben ließ...? Warum tötete er sie nicht? Warum verwandelte er sie nicht einfach?
Mit dem knappen Hinweis, sie wüsste ja, wo er zu finden sei, würde sie Hilfe benötigen, ließ er die Dunkelelfe auf dem kalten Steinboden der Bibliothek liegen und verschwand.
Stunden vergingen. Alatáriels Geist wanderte zwischen Leben und Tod, zwischen Wachen und tiefer Bewusstlosigkeit dahin, doch irgendwann siegte ihr Überlebenswille, und sie erhob sich zitternd und schwankend. Wie im Traume, schlafwandlerisch, suchte sie den Weg zurück aus der Bibliothek, und wahrscheinlich war es nur ihrem Glück zu verdanken, dass sie den Weg aus dem Irrgarten aus Gängen und Regalen zurück in die Nacht fand. Doch sie war nicht wirklich bei sich, und ohne Orientierung, zitternd, ängstlich und zutiefst verwirrt flüchtete sie sich in die Dunkelheit.
Ihr Weg führte sie durch die ganze Stadt, durch den Park, und als sie das nächste Mal wieder Herrin ihrer Sinne war, fand sie sich im Waldtempel wieder, der sich tief in den verwilderten Wirren des Parks befand. Dort bemerkte sie, das sie nicht allein war. Vor ihr stand ein ihr Unbekannter, der sie sogleich bemerkte.
Würde man sie heute bitten, diese Begegnung zu schildern, würde sie ihn als elegant, vornehm und edel beschreiben, charmant, aber kühl, spöttisch, distanziert, gefährlich - tödlich. Don Fernandez.
Er erkannte sofort, was mit ihr geschehen war. Wie hätte er das auch übersehen sollen? Er belächelte und verspottete sie. "Missgeburt." - Alatáriel, die wusste, dass ihre Kraft schwand, spürte, wie sich der Zorn ihres Geistes bemächtigte. Niemand sprach so mit ihr. Doch Don Fernandez war unerbittlich, und er erklärte ihr, es wäre das Beste, sie zu töten, um ihr und der Welt einen Gefallen zu tun. Natürlich, es gäbe da auch eine andere Möglichkeit, aber wieso sollte sie würdig sein, das Blut eines Vampirs zu empfangen, wenn schon ein anderer offenbar zu der Entscheidung gekommen war, sie sei es nicht wert gewesen?
"Bevor Ihr mich töten könnt, werde ich Euch töten." Alatáriels Stimme war fest und frei von Zweifel. Hatte das sein Interesse geweckt, dass sie noch immer keine Angst hatte, obwohl sie wusste, dass er ihr überlegen war und sie ohne zu zögern töten könnte? Oder hatte sie ihn interessiert, weil Vladimir es war, der sie gebissen, nicht aber sie verwandelt hatte...? Oder war es die Klinge, die sich plötzlich in den Bauch des mächtigen Vampirs bohrte und er sich tatsächlich ein wenig überrascht fühlte, weil er ihr eine solche Tat nicht zugetraut hätte...?
Lachend zog sich Don Fernandez die Klinge aus dem Bauch, und binnen Sekunden hatte sich die Wunde wieder verschlossen, wie die Dunkelelfe mit großen Augen erkannte. Er sah sie prüfend an, und sie hielt seinem Blick stand - und ohne viele Worte hatte er seine Entscheidung getroffen. Vermutlich dachte er sich, er könnte sie später immer noch töten, sollte sich seine Entscheidung als falsch herausstellen...
Und so empfang er sie in einer festen Umarmung, schenkte ihr sein Blut, das er über ihre Lippen und in ihre Kehle träufelte, und Alatáriel tat das einzige, was sie noch tun konnte - sie schluckte das ihr dargebotene Blut, und damit war ihr Schicksal besiegelt.
Sie starb.
Nur wenige Momente später, die jedoch länger als die Ewigkeit gewesen waren, schlug sie schwach die Augen auf und blickte in das Gesicht von Don Fernandez, der sich über sie gebeugt hatte und offenbar zufrieden mit sich und mit ihr war.
Wie überwältigend doch alles war! Es schien so, als hätte sich ein Schleier gelüftet, der über ihrem Geist lag, ohne dass sie je von ihm gewusst hatte. Alle Bilder, die sie sah, waren schärfer, alle Geräusche, die sie hörte, klarer, und alle Düfte, die ihre Nase aufnahm, waren reiner als alles, was sie bisher gespürt hatte. Und tief in ihrer Brust regte sich etwas... Das Tier, das Raubtier, die Bestie, die Don Fernandez ihr geschenkt hatte, und zu deren Sklavin er sie gemacht hatte.
Nachdem auch er ihr zugesichert hatte, er würde ihr helfen, sollte sie seinen Beistand benötigen, verschwand er wie Vladimir zuvor in der Stille der Nacht.
Verwirrt und überwältigt blieb Alatáriel zurück. Lange Zeit lag sie auf dem weichen Waldboden, versuchte, alle Eindrücke zu verarbeiten, sich zu sammeln, bis das Stechen in ihrer Brust stärker wurde. Sie lernte, was es hieß, "hungrig" zu sein, "Durst" zu verspüren, den nur eines stillen konnte: Blut.
Und so stürzte sie schließlich in die Nacht davon, ohne zu wissen, was passieren würde, was sie tun musste, wie es ihr dabei ergehen würde, denn nur das war sicher: Heute Nacht würde sie das erste Mal die Gehilfin des Todes, seine Botin, seine Überbringerin, sein.
03.04.08, 18:36:16
Alatáriel
Es dauerte einige Zeit, bis Alatáriel sich an ihren neuen Zustand gewöhnt hatte. Neue Stärken - aber auch neue Schwächen - erschlossen sich ihr.
Sie verbrachte viel Zeit mit ihrem "Brüderchen", der schließlich die Idee an sie herantrug, eine eigene Gilde zu gründen. Mittel und Willen waren vorhanden, und so machten sich beide an die Arbeit. Und in der Tat fanden sich bald die ersten Mitglieder, die mittels geheimer Rituale an die Gilde gebunden wurden.
Norganath, der zunächst noch nichts von ihrer Verwandlung wusste, merkte jedoch, dass etwas an ihr anders war, und schließlich schilderte Alatáriel ihm die Vorfälle. Er reagierte betroffen, akzeptierte es jedoch, wenn auch mit anfänglichen Schwierigkeiten.
Durch ihre Arbeit in der Gilde und den vielen Kontakt wurde ihre Verbundenheit zueinander noch enger - auch wenn sie es sich beide nicht eingestanden.
Der Vampir Malcom, der eine persönliche Feindschaft zu Vladimir, ihrem vermeintlichen Erzeuger, pflegte, stellte Alatáriel nach und versuchte, sie zu vernichten. Der Hass auf Vladimir war so groß, dass er sich auch auf seine Schülerin übertrug. Alatáriel gelang es mehrere Male nur mit Glück und Verstand und mit gelegentlichem Eingreifen Vladimirs, Malcom zu entgehen und tauchte mehr oder weniger unter.
Zu dieser Zeit begab es sich, dass der Kardinal in der Stadt auftauchte und seinen Posten im Dom bezog. Von dort aus wurden allerlei kleinere "Feldzüge" gegen Kreaturen der Dunkelheit geführt, und Alatáriel sah sich und die Gilde von diesem Krieger des Lichts bedroht. Sie tötete einen Priester vor den Stufen des Doms, um den Kardinal herauszufordern, ihm mitzuteilen, dass der Kampf aufgenommen wurde, und um herauszufinden, wie ernst die Bedrohung war, die dieser Mann vermeintlich darstellte. Der Kardinal zögerte nicht lange und begann eine Jagd auf Vampire in der Stadt. Alatáriel tauchte erneut unter, zwar über die Entwicklung nicht sehr erfreut, allerdings auch mit der Hoffung, Malcom würde vielleicht Opfer dieses Wahnsinnigen werden.
Sie wurde in der Gilde von Zabanja aufgesucht, die zu diesem Zeitpunkt die Gestalt eines kleinen Mädchens hatte. Sie bat um Hilfe gegen den Kardinal, der durch sein Handeln das Gleichgewicht der Kräfte gestört hatte, und Alatáriel stellte das Mädchen unter den Schutz der Gilde und bot ihr gleichzeitig die Unterstützung an, die sie aufbringen konnte.
Doch nach einiger Zeit schien die Bedrohung wieder abzuflauen, und Alatáriel mischte sich erneut unter die Stadtbewohner.
Als sie eines Abends über den Marktplatz lief, wurde sie von einem Zauber erfasst, der eigentlich Selor und Einhorn galt - und sie wurden von Selors Söhnen, die als Chaosritter auftraten,
in das Immaterium entführt.
Es gelang ihnen zu entkommen, aber seitdem hat die Vampirin eine Abneigung gegen Selor entwickelt. Einhorn hingegen, die sie Monate zuvor bereits flüchtig kennengelernt hatte, zog sich den Respekt der Vampirin zu, und gegen sie hegt Alatáriel keinerlei Groll.