Lonely Hunter

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07.11.07, 18:20:25

Zabanja

So, ich hab auch mal wieder Zeit gefunden, eine etwas längere Geschichte zu beginnen.

Und ums gleich zu sagen: Ja, es ist mit Alatàriel abgesprochen, dass ich ihren Damien Aykaer dazu 'ausleihe' und nein, es hat nichts, absolut gar nichts mit Osomyr zu tun.
Diese Geschichte ist absolut unabhängig davon und wer sie liest, wird das auch feststellen.

Über Kommentare, konstruktive Kritiken, Vorschläge, Meinungen usw. freue ich mich immer, bitte aber gleichzeitig darum, diese nicht HIER kund zu tun, sondern im anschließenden Thread, denn es stört einfach den Lesefluss, wenn zwischen den Kapiteln etwas anderes steht.

Ich werde, sobald ein Kapitel abgeschlossen ist, dieses hier posten und wünsche denjenigen, die es interessiert, viel Spaß damit.

Ach ja... der Titel Lonely Hunter ist ein ARBEITSTITEL und wer eine bessere Idee hat, die es NOCH NICHT gibt (googelt da bitte nach oder vergewissert euch auf andere Weise. Entweder ist es verdammt schwer, oder ich bin einfach zu doof, was besseres zu finden) dann immer her damit.
Ich bin für alles offen.

Gleiches gilt für Kapitelüberschriften. Ich bin da wenig kreativ ;-)
07.11.07, 18:21:24

Zabanja

geändert von: Zabanja - 28.02.08, 11:52:13

Der Codex der Wölfe

Prolog

Glauben Sie an Werwölfe? Nein? Dachte ich mir. Das beweist wieder einmal, wie leicht sich ein Erwachsener davon überzeugen lässt, dass es die Schattenwesen, die uns in der Kindheit ängstigten, gar nicht gibt.
Ich vergleiche es gerne mit einem Lichtschalter, den man umlegt. Werwölfe? Klick – Lichtschalter an. Die gibt es gar nicht.
Kinder sind in dieser Beziehung anders. Sie glauben noch an uns, an Werwölfe, Vampire oder auch das sockenfressende Monster unter dem Bett. Es ist viel schwerer für uns, einem Kind weiszumachen, dass es das, was es gerade gesehen hat, eigentlich gar nicht wirklich gesehen hat. Mit ein Grund, warum wir um Kinder einen großen Bogen machen.
Warum sollten wir uns die Mühe machen, sie zu beeinflussen, wenn das die Erwachsenen selber erledigen? Oder wollen Sie mir weismachen, ihre Eltern hätten Ihnen nie erzählt, dass der Vampir in der Ecke nur der Schatten des Morgenmantels, das Monster unter dem Bett Einbildung und der unheimliche Werwolf im Garten lediglich der Hund des Nachbarn sei? Na sehen Sie, wusste ich es doch.
Aber seien Sie versichert – das alles waren nur Lügen! Es gibt uns – vom sockenfressenden Monster mal abgesehen. Das ist und war stets nur die Ausrede für unsere Schlamperei.
Sicher fragen Sie sich nun, wer ich bin, dass ich solche Behauptungen aufstelle.
Ich bin Damien Aykaer, der Jäger, und ich bin fast am Ziel. Meine Beute ist ganz in der Nähe, und wenn ich sie reiße, dann wird alles endlich ein Ende finden – hoffe ich zumindest.
07.11.07, 18:23:23

Zabanja

geändert von: Zabanja - 28.02.08, 11:50:00

Kapitel I


Es begann alles im Jahre 1984. Indira Ghandi wurde von ihrer eigenen Leibwache ermordet. Die Firma Apple brachte ihren ersten Macintosh-Computer auf den Markt, IBM den Megabit RAM-Chip und die optischen Plattenspeicher wurden erfunden.
Die Olympischen Spiele wurden auf 221 Disziplinen erhöht – und dafür von politisch motiviertem Boykott geprägt, das Spaceshuttle Challenger absolvierte seinen vierten Flug und die Eigenschaften des genetischen Fingerabdrucks wurden erkannt.
Das alles war mir irgendwie egal, denn ich hatte ein ganz anderes Problem. Ich musste mich in einer vollkommen neuen Umgebung zurechtfinden, einer Umgebung, dich mich durchaus faszinierte, die sich jedoch derart von meiner ursprünglichen Heimat unterschied, dass es extremer nicht mehr sein konnte.
Ursprünglich stamme ich aus Colorado Springs, doch gewisse Umstände, die mit einer unheimlichen und ziemlich schmerzhaften, nächtlichen Begegnung zu tun haben, zwangen mich direkt dazu, in eine andere, weniger stark bewohnte Gegend zu übersiedeln, am besten irgendwohin, wo es kaum Leute, dafür aber viele Wälder und was war da besser geeignet, als die unberührte Natur Neufundlands?
Es war nicht nur die Tatsache, dass ich mich einmal im Monat in eine blutrünstige Bestie verwandelte, die mich zu diesem Schritt zwang. Nein, da war noch mehr. Die Großstadt selbst war es, die ich nicht mehr aushielt. Sie war laut – viel zu laut für empfindliche Ohren, die sogar eine Fliege husten hörten. Und sie stank.
Zwei Jahre hatte ich dieses Martyrium ertragen – hauptsächlich meiner Eltern wegen – hatte mir Monat für Monat neue Ausreden ausgedacht, um für ein paar Tage aus der Stadt zu verschwinden. Ich war es leid, die Tage nach Vollmond ängstlich die Zeitungen durchzublättern um zu sehen, ob es irgendwelche ungeklärten Mordfälle gegeben hatte und vor allem: Ich wollte nicht mehr selbst gejagt werden!
Aus diesem Grund hatte ich im Sommer 1984 schließlich meine Sachen gepackt: Grade mal einundzwanzig Jahre alt und nur mit einer mündlichen Zusage für einen Job als Aushilfskraft im Gros Morne National Park.
Es war Mitte Juli, also gerade Hochsaison im Nationalpark und wenn ich mich nicht allzu ungeschickt anstellte, dann bestand sogar einen Chance auf eine feste Anstellung.
Meinen Eltern fiel der Abschied nicht besonders leicht. Vor allem meine Mutter wollte nicht verstehen, wie ein junger Mensch mit gutem Schulabschluss und besten Aussichten auf einen guten Job im Laden seines Vaters auf die absurde Idee kam, Wildhüter in einem Nationalpark am ‚Ende der Welt’, wie sie es nannte, zu werden.
Dennoch gaben sie schließlich nach und kratzten sogar ihre Ersparnisse zusammen, um mir einen fahrbaren Untersatz zu besorgen, damit ich meine eigenen, ziemlich beschränkten Finanzmittel noch etwas schonen konnte.
Eine ganze Woche hatten sie herumtelefoniert, Zeitungsanzeigen durchstöbert und schließlich ein Auto gefunden, das ihrer Meinung nach perfekt passte. Das Beste daran: Es stand bereits in St. Johns, der Hauptstadt Neufundlands, und ich musste mir keine weiteren Gedanken machen, wie ich dorthin gelangen sollte. Ich würde fliegen.
Einerseits war das praktisch, aber andererseits bedeutete es, dass ich erst einmal quer durchs Land fahren musste, um an meinen Zielort zu gelangen, doch auf der anderen Seite war es die beste Gelegenheit, meine neue Heimat gleich richtig kennen zu lernen.
Außerdem: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul oder in diesem Fall eben nicht unter die Motorhaube und so setzte ich mich an meinem Reisetag mit einem lachenden und einem weinenden Auge ins Flugzeug, nachdem mich meine Eltern recht tränenreich verabschiedet hatten und nahm mir fest vor, keine ihrer Ermahnungen und Tipps zu vergessen, die sie mir in den letzten Tagen so oft eingetrichtert hatten, dass ich sie quasi im Schlaf hätte aufsagen können.
Nach einem unspektakulären Flug mit zwei Zwischenstops, an denen ich jeweils einen kurzen Aufenthalt in grässlich eintönigen Flughäfen hinter mich bringen musste und beide male meine Uhr auf eine andere Zeitzone umstellte, erreichte ich mein Ziel und wie durch ein Wunder war auch mein komplettes Gepäck heil mit angekommen. Nicht dass es viel gewesen wäre, das meiste wollte ich erst vor Ort besorgen, aber es war empfindlich kühl hier und so konnte ich mir wenigstens rasch einen dickeren Pullover überziehen, ehe ich mich auf die Suche nach meinem fahrbaren Untersatz machte.
Ich erwartete nichts besonderes, hoffte eigentlich nur, dass das Ding überhaupt ansprang und nicht zu rostig war, doch als ich es nach einigem Suchen schließlich gefunden hatte, war ich angenehm überrascht. Vor mir stand ein Chevrolet Blazer, Baujahr Vierundsiebzig und allem Anschein nach war er gut gepflegt worden. Der blaugraue Lack war zwar an den Seiten schon etwas zerkratzt und er hatte zwei, drei kleinere Dellen an der Motorhaube, vermutlich durch fliegende Steinchen oder ähnliches, aber ansonsten machte er einen sehr soliden Eindruck und – was das Wichtigste war – er hatte Allradantrieb. Ein unverzichtbares Detail hier draußen in der Wildnis.
Froh, endlich der stickigen Enge und dem Lärm des Flugzeugs entkommen zu sein und mit einer gehörigen Portion Enthusiasmus warf ich mein Gepäck in den geräumigen Kofferraum, schwang mich hinter das Lenkrad und machte mich auf den Weg ins sechs Kilometer entfernte St. Johns, von wo aus ich am nächsten Tag die lange Fahrt zum Nationalpark beginnen wollte.

Ich brauchte drei volle Tage um ans Ziel zu gelangen – allerdings ließ ich mir auch viel Zeit. Schließlich hatte ich es nicht eilig und wollte mir meine neue Heimat genauer ansehen. Ich entschied mich sogar dafür, den TransCanada Highway zu verlassen und einen Teil der Strecke über den Highway 430 zu fahren, wo ich immer wieder auf Landstraßen ausweichen und mir die Umgebung ansehen konnte.
Es war faszinierend: Fast jede Bucht hatte ihr eigenes kleines Fischerdorf. Kleine, weiß oder bunt gestrichene Hütten aus Holz, die durch den unebenen, felsigen Grund manchmal mit Betonsockeln oder auf Pfählen abgestützt werden mussten, um überhaupt eben stehen zu können. Gärten gab es keine, dafür gab der Boden nicht genug her und die Geräteschuppen waren oftmals einfach auf Pfahlrosten direkt im Wasser erbaut worden. Hummerfallen stapelten sich überall und der Geruch nach Fisch und Salzwasser war schier überwältigend, besonders für meine feine Nase. Aber ich genoss jeden Atemzug. Es war anders als in der Großstadt. Es roch... natürlich.
Von einigen Orten, an denen ich auf meinem Weg nach Westen vorbeikam, hatte ich schon gehört, zum Beispiel Trinity – bekannt als Ausgangspunkt, um Wale von Booten aus zu beobachten. Irgendwann würde ich das machen, das nahm ich mir fest vor. Faszinierend war auch Bonavista. Dort stieg ich sogar aus, um weit draußen auf dem Meer einen Eisberg zu beobachten, der funkelnd wie ein übergroßes Juwel an uns vorüberzog.
Fast hätte ich die Zeit vergessen, so faszinierend fand ich meine Umgebung, doch als ich die ersten Schilder des Terra Nova Nationalparks zu Gesicht bekam, entschied ich mich doch dafür, wieder auf den TransCanada Highway zurückzukehren, um endlich an mein eigentliches Ziel zu gelangen. Immerhin war ich nicht zum Vergnügen hier, sondern um zu arbeiten.
Doch eines konnte ich jetzt schon sagen: Es gefiel mir hier. Es war kalt, um einiges kälter, als ich es gewohnt war. Dafür war die Natur umwerfend schön – unberührt, wild, frei. Ja, hier würde ich mich wohl fühlen und vor allem nicht so rasch zu einer Gefahr für andere werden. Zum ersten Mal seit Jahren freute ich mich sogar auf das, was ich eigentlich fürchtete: Den Vollmond.
Am Gros Morn National Park angekommen fragte ich mich durch, bis ich Mr. Banner fand, der mir als Ansprechpartner genannt wurde. Er war ein älterer Durchschnittsmann mit dicker Brille, Halbglatze, einem unpersönlichen Lächeln und dem billigsten Aftershave, das man sich nur vorstellen kann. Ich musste mich wirklich zusammenreißen, um ihm nicht eine andere Marke zu empfehlen. Mr. Banner schüttelte mir kurz die Hand – ein Gefühl, als fasse man einen toten Fisch an – leierte in blasiert-gelangweiltem Ton die Arbeitsbedingungen und die Parkregeln herunter, drückte mir einen Arbeitsplan und eine Ausweiskarte in die Hand, die ich immer bei mir tragen sollte und schickte mich zu Stan, damit dieser mir meine Arbeitsuniform aushändigen konnte.
Stan war ein netter Kerl, kleiner als ich mit meinen einsfünfundachtzig und wesentlich rundlicher. Doch er lachte gerne und viel, was die unzähligen Lachfältchen um die Augen erahnen ließen. Er suchte mir eine Uniform heraus, die mir halbwegs passte und führte mich ein Stück weit herum. Dann erklärte er mir, was zu meinem Aufgabenbereich gehörte, was sich vorerst auf Tätigkeiten wie Müll einsammeln, den Wanderer achtlos liegen ließen und ähnliche stupide Arbeiten beschränkte. Zum Lunch teilte er schließlich sein Essen mit mir, was ich ihm wirklich hoch anrechnete. An diese Kleinigkeit hatte ich in meiner Vorfreude nämlich gar nicht gedacht, doch Stan lachte nur, als ich mich bedankte und meinte, seine Frau Judy gäbe ihm sowieso immer viel zu viel mit. Anschließend nannte er mir einige Adressen von Leuten, die Zimmer zu vermieten hatten und wünschte mir viel Glück. Kurz gesagt, ich mochte ihn.
07.11.07, 18:23:38

Zabanja

geändert von: Zabanja - 13.02.08, 20:52:17

Sein Tipp mit den Adressen war Gold wert. Gleich beim zweiten Versuch bekam ich eine Zusage und die ältere Dame war von meiner höflichen Art bereits nach wenigen Minuten so angetan, dass sie versprach, sich nach einer längerfristigen Bleibe für mich umzuhören. Ehrlich gesagt wunderte es mich nicht sonderlich, denn – ohne jetzt eingebildet wirken zu wollen – bislang hatte sich noch fast keine Frau meinem Charme entziehen können und hässlich bin ich meines Erachtens auch nicht gerade. Groß, muskulös – ohne jedoch gleich nach Bodybuilder auszusehen, jenen Typen, die mehr Hirn in den Muskeln, als im Kopf haben – und mit einem lässigen Dreitagebart, der mir einen ziemlich verwegenen Touch verleiht. Die Haare waren vielleicht eine Spur zu kurz, doch das konnte ich ändern und Stan begann mich nach einigen Monaten zu necken, dass ich auch ein hübsches Mädchen abgeben würde – wenn ich mich nur endlich mal anständig rasieren würde, die Locken wären zumindest wunderschön.
Mein Start ins ‚eigene Leben’ verlief problemlos. Die Arbeit machte mir Spaß und es verging kein Tag, an dem Stan nicht mit mir plauderte oder an dem mich Mrs. Coly nicht mit ihren wunderbaren, bodenständigen Kochkünsten verwöhnt hätte und so bedauerte ich es beinahe, als sie nach nur zwei Wochen tatsächlich ein eigenes Heim für mich gefunden hatte: Ein kleines Blockhaus, nicht weit vom Park entfernt und relativ einsam gelegen, was vielen zu ruhig – für mich jedoch ideal war.
Ich konnte mein Glück kaum fassen. Da war ich noch keine drei Wochen hier und hatte bereits ein eigenes Haus – ok, Häuschen – ein ziemlich robustes Auto und eine Arbeit, die besser nicht hätte sein können und in der ich – wenn Stan Recht behalten sollte – relativ gute Aufstiegsmöglichkeiten hatte.
Es dauerte nicht lange, meinen Kram in mein neues Heim zu bringen, mehr als ein paar Koffer und zwei Schachteln mit Kleinkram besaß ich ja immer noch nicht, obwohl es nicht weit war bis nach Rocky Harbour, der nächstgrößeren Stadt.
Nach zwei Stunden hatte ich mein Zimmerchen bei Mrs. Coly geräumt und alles in meinem neuen Heim verstaut und ich genoss das Gefühl, hier völlig alleine zu leben. Naja, zumindest redete ich es mir ein. Als das erste Hochgefühl abgeflaut war und ich die Stille in dem kleinen Haus fast körperlich spürte, machte ich mich daran, mein kleines Reich genauer zu erkunden.
Groß war es wirklich nicht, es gab genau drei Räume: Einen Wohnraum mit einer kleinen Kochnische, einem Tisch und vier bunt zusammengewürfelten Stühlen, sowie einem alten Sofa, das dem Holzofen gegenüber stand und dessen Sprungfedern nur mit zwei zusammengefalteten Decken nicht mehr zu spüren waren. Die Decken hatte mir Mrs. Coly in einem Anflug großmütterlicher Sorge geschenkt, wohl wissend, dass ich als Junggeselle wohl noch keine besaß. Dann waren da noch ein kleines Schlafzimmer, grade groß genug für ein Doppelbett und einen kleinen Schrank und ein winziges Bad. Einen Geräteschuppen für Vorräte und Holz gab es auch noch.
Nachdenklich musterte ich mich in dem halbblinden Spiegel des Badezimmers und sinnierte, was die Zukunft wohl für mich bringen würde, als ich die Unruhe spürte, die mir mittlerweile nur zu bekannt war und die zu Fürchten ich gelernt hatte. Es dämmerte bereits und ein rascher Blick nach draußen zeigte mir deutlich, dass ich im Trubel der letzten Tage und Wochen etwas ungeheuer Wichtiges vergessen hatte: Heute war Vollmond!
Ich schalt mich einen Idioten. Wie hatte ich das nur vergessen können? Dabei hätte mir schon die ganzen letzten Tage klar sein müssen, dass der Mond immer runder wurde und die Zeitbombe in mir zu ticken begann.
>>Raus hier!<<, war alles, was ich dachte. >>Raus, ehe du dein Zuhause in Schutt und Asche legst und damit alle auf dich aufmerksam machst.<<
Fluchtartig hetzte ich aus der Hütte und vergaß dabei sogar, die Türe hinter mir zu schließen. So schnell ich konnte rannte ich auf den Wald zu. Dort war ich vorläufig in Sicherheit, besser gesagt, die Anwohner würden vor mir in Sicherheit sein. Hoffentlich schaffte ich es noch bis in den Nationalpark, ehe es begann.
Mit übermenschlicher Geschwindigkeit verschwand ich zwischen den Bäumen und nur meinen scharfen Sinnen und meinen Reflexen war es zu verdanken, dass ich nicht irgendwo gegen prallte.
Ich war etwa drei Kilometer weit in den Gros Morne National Park vorgedrungen, als mich eine unsichtbare Faust mit voller Wucht in den Magen traf und mich wie ein Taschenmesser zusammenklappen ließ.
Groß, milchigweiß und vollkommen rund hing der Mond am nachtschwarzen Himmel und sein Glanz brachte meine Augen zum Glühen. Obwohl ich panische Angst vor dem Schmerz hatte, der mir bevorstand, war da noch ein anderes Gefühl, eine Art finstere Vorfreude und raubtierhafte Gier nach frischem Blut.
Momentan war ich jedoch noch genug bei Verstand, um mich aufzurappeln und weiterzurennen. Im vollen Lauf zerrte ich an meinem Hemd und versuchte es zu öffnen – ich hatte schließlich nicht so viele – als mich ein weiterer Schlag traf und ich erneut in die Knie brach. Ein gellender Schrei hallte in meinen Ohren und ich brauchte einige Sekunden, um zu begreifen, dass es mein Schrei war.
Vor meinen Augen begannen sich meine Hände zu verformen, die Finger wurden in die Länge gezogen, knackten grässlich und krümmten sich zu scharfen Krallen, während gleichzeitig meine Arme wuchsen und noch sehniger und kräftiger wurden. Der dünne Stoff des Hemdes zeriss dabei einfach, als es von der Muskulatur regelrecht gesprengt wurde.
Ein weiterer, unmenschlicher Schrei tönte durch die Nacht, als sich mein Brustkorb unter schlimmsten Qualen streckte und an Umfang gewann. Haben Sie sich schon mal eine Rippe gebrochen? Bei mir waren es ALLE! Zumindest fühlte es sich so an. Gleichzeitig verbog sich mein Rückgrat und zwang mich in einen Vierfüßlerstand, während sich nun auch meine Beine verformten. Längst schon hing mir die Hose in Fetzen und einzig die Tatsache, dass ich bei meiner Flucht aus Zeitmangel keine Schuhe angezogen hatte, bewahrten selbige vor gleichem Schicksal.
Mein gesamter Körper kribbelte und brannte, als läge ich in einem Ameisenhaufen – riesige Killerameisen wohlgemerkt, wie man sie nur aus schlechten Filmen kennt – während mir überall borstiges, widerstandsfähiges Fell wuchs und ich weinte vor Schmerz, als sich schließlich auch mein Kopf deformierte und zu einem grotesk verzerrten, wolfähnlichen Schädel verformte, mit einer langen Schnauze, spitzen Ohren und einem Maul voll tödlicher, nadelspitzer Zähnen.
Mit dem letzten Rest klaren Verstandes erblickte ich schließlich etwas, das mit das Blut in den Adern gefrieren ließ und ich verfluchte mich für meine Nachlässigkeit. Wieso hatte ich nicht darauf geachtet, in welche Richtung ich rannte? Dort, am Rand einer kleinen Lichtung, stand ein Wohnmobil – und darin brannte Licht.


... to be continued
09.11.07, 10:55:14

Zabanja

geändert von: Zabanja - 28.02.08, 11:49:38

Kapitel II


Das nächste, an das ich mich erinnere war, dass ich erwachte und mich in einem Albtraum wiederfand. Um mich herum waren nicht als Blut, zerbrochenes Plastik und Metall und ein paar Knochenreste. Das gesamte Wohnmobil sah aus wie ein Schlachtfeld. Es kostete mich einiges an Überwindung, mich nicht zu übergeben. Alleine schon der Geruch des Blutes, in dem bereits ein Hauch Moder und Verwesung lag... plus das Wissen, dass ich daran Schuld war, reichte aus, mir fast den Magen umzudrehen.
Nicht dass ich mich erinnern konnte, was genau in dieser Nacht passiert war... das konnte ich nie und ehrlich gesagt wollte ich es auch gar nicht wissen. Das Resultat zu sehen reichte mir vollkommen und noch nie war es derart ekelerregend wie an diesem Tag. Ich weiß bis heute nicht, weshalb ich dort geblieben war. Normalerweise fliehe ich noch vor Sonnenaufgang an einen einsamen Ort – purer Instinkt nehme ich an.
Gerade wollte ich mich davonstehlen – es wurde höchste Zeit – und begann fieberhaft in den Trümmern des Campingwagens nach einem halbwegs passenden Hemd, einer Hose oder zumindest einer Decke zu suchen, da drang ein Geräusch an mein Ohr, das ich hier als letztes erwartet hatte: Das durchdringende Weinen eines Babys. Hell und klar klang es von der Fahrerkabine herüber.
Zuerst glaubte ich, meine Sinne spielten mir einen Streich und das Weinen kam von weiter weg. Wie sollte hier auch ein Säugling überlebt haben, wo ich doch seine Eltern regelrecht zerfetzt hatte? Nein, das war einfach unlogisch, ich hätte ihn unweigerlich aufgespürt und zerrissen, wäre er in dieser Nacht hier gewesen.
Da jedoch das Weinen immer herzzerreißender wurde und tatsächlich nur von innerhalb des Wagens kommen konnte, kämpfte ich mich durch das Schlachtfeld und zwängte mich in den vorderen Teil des Fahrzeugs.
Dort lag auf dem Beifahrersitz, in Decken gewickelt und sorgfältig in einer kleinen Babytragetasche verstaut, ein Säugling, die Händchen wütend zu Fäusten geballt und schrie was das Zeug hielt. Sein kleines Gesichtchen war puterrot vom Schreien und ich stand ziemlich hilflos herum und wusste nicht, was ich tun sollte. Normalerweise machte ich um Babys immer einen großen Bogen.
Schließlich entdeckte ich den Schnuller, der neben ihm lag und stopfte ihm diesen ungeschickt in den kleinen, zahnlosen Mund. Das Geschrei verstummte schlagartig.
Eigentlich hätte ich jetzt gehen können – ich konnte schließlich kein Kind brauchen und je eher ich von hier verschwand, desto besser. Klar tat mir das Würmchen leid, immerhin hatte ich es zum Vollwaisen gemacht, doch ich war mir nicht sicher, ob nicht bald der erste Wildhüter hier aufkreuzen würde und dann wollte ich wirklich nicht mehr hier sein, aber irgend etwas hielt mich zurück. Etwas, das mich ziemlich irritierte.
Das Baby war nicht das einzige, was hier im vorderen Teil des Wohnmobils lag. Fein säuberlich waren auf dem Fahrersitz verschiedene Dinge aufgestapelt: Zuunterst ein kleines Köfferchen, in dem sich – wie sich hinterher herausstellte – Babykleidung befand, darauf ein Paket Wegwerfwindeln, eine weitere Tasche mit Fläschchen und Babynahrung und zuoberst ein Packen Kleidung in meiner Größe – Unterwäsche, Socken, Hose, Hemd, Jacke, sogar passende Schuhe lagen bereit. Alles haargenau auf mich abgestimmt, sogar die Farben waren nach meinem Geschmack.
Verwirrt griff ich nach dem Hemd, doch als ich es aufhob, fiel ein brauner Umschlag auf den Boden. Automatisch bückte ich mich, um ihn zu öffnen. Darin befand sich ein Briefbogen und ein Stück sorgsam zusammengefaltetes Papier.
Wie in Trance begann ich, den Brief zu lesen. In gestochen scharfer Schrift stand dort:

Gratuliere, Fellknäuel.
Du bist gerade Vater geworden.
Ich denke dir ist klar, dass du das wieder
ausbaden wirst, was du verbrochen hast.
Ab sofort bist du für die Kleine verantwortlich,
das heißt, wenn dir dein mickriges Leben
etwas Wert ist.
Zieh dich an, nimm das Kind und den anderen
Kram und verschwinde nach Hause und zwar
pronto, wenn ich bitten darf.
Für heute hatte ich genug Scherereien mit dir.
Ich werde euch beiden
nach Sonnenuntergang einen Besuch abstatten.
Fluchtversuche sind zwecklos. Ich finde dich überall.


Fassungslos las ich diesen Brief, der eindeutig an mich adressiert war, wer sonst sollte mit ‚Fellknäuel’ gemeint sein, mehrere Male. Ich drehte ihn nach allen Seiten, suchte nach einer Unterschrift, doch nichts. Es gab keinen Hinweis auf den Verfasser dieser Nachricht, der auf so unheimliche Weise Bescheid zu wissen schien.
Ich kämpfte mit mir selbst, unschlüssig, was ich nun tun sollte. Das zweite, gefaltete Papier stellte sich als Geburtsurkunde des Kindes heraus. Die Kleine – es war tatsächlich ein Mädchen – war erst ein paar Monate alt und hörte auf den Namen Shannon, doch auf den zweiten Blick stellte ich fest, dass das nicht die Originalurkunde sein konnte, denn in dieser hier war ich als Vater eingetragen! Bei der Mutter stand vermerkt: Bei der Geburt verstorben.
Na toll... da hatte ich nun wirklich ein Problem am Hals. Sollte ich es wagen und doch einfach gehen? Oder ließ ich mich auf dieses Abenteuer ein, nahm die Kleine bei mir auf und wartete ab, was dieser Fremde von mir wollte? Vielleicht nahm er sie ja doch wieder mit, wenn er merkte, dass das absolut nichts für mich war.
Wobei sich mir gleich die nächste Frage aufdrängte. Wenn er mich schon beobachtet hatte, wieso hatte ich ihn dann erstens nicht bemerkt und zweitens: Warum hatte er mich am Leben gelassen? Warum hatte er die Eltern dieses kleinen Würmchens nicht auch einfach gerettet? Sie gewarnt, damit sie wenigstens den Hauch einer Chance hatten...
Es vergingen noch einige Minuten, in denen ich mit mir selbst rang, doch schließlich griff ich nach der Kleidung, zog mich an und überlegte dann, wie ich gleichzeitig das Gepäck und das Baby tragen konnte. Irgendwie hing ich doch an meinem Leben und wenn dieser Fremde schon keine Angst vor einer Kreatur wie mir zu haben schien, dann hatte er gewiss einen guten Grund dafür und so stopfte ich den Brief samt Geburtsurkunde in die Brusttasche des Hemdes und sah mir nochmals das Sammelsurium an Babysachen an.
Nach einigem Probieren steckte ich schließlich die Tasche mit der Babynahrung mit in das Tragekörbchen, das würde die Kleine schon kurze Zeit aushalten, schließlich war das Kind nicht aus Zucker, klemmte mir das Windelpaket unter den einen Arm, griff mir das Köfferchen und nahm die Tragetasche mit dem Baby auf, um rasch, aber trotz allem vorsichtig, den Heimweg anzutreten.

Ich weiß nicht mehr so recht wie ich es schaffte, trotz meiner Packeselaufmachung ungesehen nach Hause zu gelangen. Nur eines weiß ich noch ganz genau: Ich war froh, diesen Ort des Grauens hinter mir zu lassen. Alleine schon die klare, frische Morgenluft war ein Genuss und es ist mir bis heute ein Rätsel, weshalb mich der Modergeruch im Wohnmobil nicht gleich hatte stutzig werden lassen. Aber dazu später.
Zurück in meiner Blockhütte stellte ich die Babytragtasche auf den Boden und warf den anderen Kram zunächst aufs Sofa, auf dessen Rand ich mich niederließ und nachdenklich das winzige Wesen betrachtete, das mich aus großen, blauen Augen anschaute.
Für wen mich die Kleine wohl hielt? Papa? Onkel? Großer Bruder? Ob sie ahnte, dass ich ein Monster war? DAS Monster, das ihre Eltern auf dem Gewissen hatte? Wenn sie nur nicht so niedlich gucken würde.
>>Damien, du steckst verdammt tief in der S******e<<, dachte ich bei mir und überlegte fieberhaft, was ich als nächstes tun sollte. Ich konnte das Kind nicht behalten, das war absolut unmöglich. Immerhin hatte ich einen Job, wo sollte ich Shannon – wow, ich konnte mir bereits ihren Namen merken – denn in dieser Zeit unterbringen? Zum Glück hatte ich wenigstens heute meinen freien Tag. Was sollte ich überhaupt den Leuten hier erzählen, wo das Baby auf einmal herkam? Obendrein war da noch dieses klitzekleine Problem meines Werwolfswesens, die Kleine hatte bei mir vermutlich kaum Überlebenschancen.
Fragen über Fragen und als ob das nicht schon stressig genug gewesen wäre, fing das Baby just in diesem Moment wieder an zu quengeln. Ich muss gestehen, ich war ratlos. Zunächst versuchte ich es wieder mit dem Schnuller, doch den spuckte sie mir jedes Mal sofort wieder aus. Danach hob ich die Tasche leicht an und schaukelte sie ein wenig, doch auch das half nichts.
Nach einigem Grübeln kam ich zu dem Schluss, dass es nur noch zwei Möglichkeiten gab: Entweder, sie hatte Hunger oder – und das trieb mir bereits jetzt kalten Schweiß auf die Stirn – sie brauchte eine neue Windel. Keine Ahnung, wie man so was machte, ich traute mich ja noch nicht mal, das winzige Etwas anzufassen. Es sah so klein und zerbrechlich aus... was, wenn ich zu grob mit ihm war?
Langsam bekam ich Ohrenschmerzen von dem Geschrei, während ich mich für die erste, mir wesentlich angenehmere Möglichkeit entschied und auf der Packung mit der Babynahrung nach einer Gebrauchsanweisung suchte.
Ich redete auf Shannon ein, die in ihrem Körbchen plärrte, erzählte ihr irgendwas, was mir so einfiel, wie dämlich ich meinen Chef fand, wie grausam sein Aftershave roch, die letzten Witze, die mir Stan erzählt hatte, obwohl die eigentlich noch nicht jugendfrei waren, doch in dem Fall war das ziemlich egal. Ich erzählte von meinen Eltern, meinem Lieblingsessen, meinem Hund, der vor fünf Jahren gestorben war... einfach alles, was mir in den Sinn kam, in der Hoffnung, sie würde aufhören und suchte nach einem Topf, in dem ich Wasser kochen konnte. Schließlich war der Topf gefunden und schon stand ich vor einem neuen Problem: Wieviel Wasser brauchte ich nun? Ich hatte keinen Messbecher. Bis mir endlich die glorreiche Idee kam, das Fläschchen als Maß zu verwenden, war ich bereits dem Wahnsinn nahe. Würde das von nun an ewig so weitergehen? Jeden Tag dieses Geplärre? Nein, ich konnte dieses Kind beim besten Willen nicht behalten.


09.11.07, 10:58:36

Zabanja

geändert von: Zabanja - 13.02.08, 22:23:15

Endlich kochte das Wasser und ich füllte mit zitternden Fingern das Milchpulver in die Flasche, besser gesagt, ich versuchte es. Verdammt war das schwer. Warum konnte man nicht Fläschchen herstellen, deren Hals weit genug war, um das Zeug problemlos einzufüllen? Erst einige Tage später sollte ich auf die gloriose Idee kommen, doch einfach den beiliegenden Trichter zu benutzen, dessen Verwendungszweck mir zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich schleierhaft war.
Das kochende Wasser kippte ich mir natürlich auch prompt erst mal über die Finger und je länger Shannon schrie, um so nervöser wurde ich, was die ganze Sache zusätzlich erschwerte.
Irgendwie schaffte ich es dann aber doch und ich war sogar klug genug zu bedenken, dass so ein frisch zubereitetes Fläschchen für einen Säugling einfach zu heiß war. Ein Topf kaltes Wasser brachte da rasch Abhilfe, doch ich stand schon wieder vor einem neuen Problem: Wie fasste ich das Baby nun am besten an?
Ganz vorsichtig schob ich eine Hand unter seinen Rücken und griff mit der anderen nach der winzigen Schulter, weil ich Angst hatte, ihm weh zu tun. Unbeholfen hob ich Shannon aus der Babytrage und als sich sie dann schließlich mehr schlecht als recht auf dem Arm hatte, wurde mir erst richtig bewusst, wie klein so ein Säugling war.
Vorausschauend hatte ich mir das Fläschchen bereits neben das Sofa gestellt und suchte nun nach der besten Position, ihr den Inhalt desselben möglichst kleckerfrei in den zahnlosen Mund zu befördern, doch irgendwas machte ich wohl falsch, denn entweder kam zu viel auf einmal aus dem Sauger, sodass sie sich verschluckte und ihr die Hälfte aus dem Mund wieder herauslief oder aber Shannon spuckte den Schnuller frustriert wieder aus, weil sie trotz heftigen Saugens nichts herausbekam.
Ich glaube wir brauchten knapp zwei Stunden für diese erste ‚gemeinsame Mahlzeit’ und waren hinterher beide froh, es heil überstanden zu haben.
Doch während Shannon nun halbwegs zufrieden aussah, stand mir die zweite Prüfung bevor. Die Kleine war nämlich durch diesen ersten Fütterungsversuch nicht nur nass, oh nein, sie hätte in ihren Sachen schon beinahe den Freischwimmer machen können. Ich musste sie dringend in trockene Sachen packen, ehe sie krank wurde. Doch wo? Und vor allem wie?
Als erste Maßnahme warf ich eine der Decken vom Sofa auf den Boden und legt die Kleine darauf, ehe ich mir das Köfferchen schnappte, in dem ich Babykleidung vermutete. Wenn sich dieser mysteriöse Fremde, dem ich die ganze Bescherung verdankte, schon so große Mühe gemacht hatte, an Babynahrung, Windeln und eine gefälschte Geburtsurkunde zu denken, dann hatte er gewiss auch dafür gesorgt, dass die Kleine etwas zum Umziehen hatte – und ich sollte recht behalten.
Wahllos zog ich eines dieser Strampeldinger heraus, hielt es in die Höhe und dachte mir nur drei Worte: Oh mein Gott!
Wer entwarf nur so was? Da waren zig winzige Knöpfchen und Bändchen und enge, kleine Hals und Beinausschnitte... Dachten die Designer eigentlich nie daran, dass eventuell auch mal ein Mann in die prekäre Lage kam, ein Baby zu windeln?
Doch alles Meckern half nichts, ich musste Shannon umziehen. Vielleicht tat ich mir ja leichter, wenn ich die Kleine erst mal auszog? Immerhin konnte ich dann gleich sehen, was wohin gehört und wie man es befestigte.
Ich schälte also Shannon so vorsichtig wie möglich aus ihren nassen Sachen, was mir ein unwilliges Gequäke einbrachte. Sie schien nicht so ganz mit mir zufrieden zu sein und als wäre es nicht schon schwer genug für mich, strampelte sie obendrein mit Armen und Beinen.
>>Damien<<, dachte ich bei mir. >>Sei ein ganzer Kerl. Wenn du sie jetzt eh schon umziehst, dann verpass ihr gleich noch eine neue Windel, du kommst sowieso nicht drum rum<<
Gesagt – getan. Ich holte mir also das Windelpaket, zog eines dieser Wegwerf-Windel-Dinger hervor, betrachtete es mit einer gewissen Neugierde und fragte mich ernsthaft, wie so ein bisschen Kunststoff und Watte ein so undichtes Wesen wie dieses Baby trocken halten sollte. Wenigstens sah das Prinzip einfach aus: Windel ausklappen, Babypo mittig drauf platzieren, vordere Enden nach hinten und hintere Ecken nach vorne klappen, zukleben, fertig.
Wohlgemerkt, ich sagte es sah einfach aus. Es wäre vielleicht auch einfach gewesen – mit einer starren Puppe. Aber bei einem lebendigen, zappelnden Kind, und Shannon zappelte extrem, sah das anders aus. Immer, wenn ich dachte, jetzt hast du es, rutschte die Kleine wieder weg oder drehte sich vergnügt quietschend zur Seite. Anscheinend fand sie es saukomisch, wie ich mich mit ihr abmühte.
Ich brauchte etwa 4 Windeln, bis es zumindest halbwegs so aussah, als könnte diese halten und in der Zwischenzeit war ich von Kopf bis Fuß schweißgebadet. Nach einer weiteren halben Stunde war Shannon auch wieder angezogen, auch wenn ich ihr – wie ich hinterher erfuhr – das Hemdchen verkehrt herum angezogen hatte.
Viel Zeit zum Verschnaufen blieb mir allerdings nicht, denn nun war sie richtig wach, satt, trocken – und unzufrieden. Mir blieb also gar nichts anderes übrig, als sie wieder auf den Arm zu nehmen und mit ihr ein wenig auf und ab zu laufen, wollte ich nicht schon wieder ohrenbetäubendem Geplärr ausgesetzt werden.
Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich an diesem Tag den Abend herbeigesehnte. Wenn das Mädel nicht grade Hunger hatte, dann war sie nass oder quengelte aus Langeweile. Nur eines tat sie nicht, nämlich schlafen! Sie hielt mich derart auf Trab, dass ich es nicht einmal schaffte selbst etwas zu essen.
Nachdem ich Shannon das dritte Mal gefüttert und das fünfte Mal umgezogen hatte – komplett! – waren wir beide am Ende mit den Nerven. Der Einfachheit halber hatte ich es mir mit ihr auf dem Boden halbwegs bequem gemacht, da konnte sie wenigstens nirgends runterfallen und sie war gerade eingeschlafen – endlich! – als sich mir sämtliche Nackenhaare aufstellten und mir ein unangenehmer Geruch nach Moder und Verwesung in die Nase stieg.



... to be continued
17.11.07, 11:47:24

Zabanja

geändert von: Zabanja - 28.02.08, 11:49:19

Kapitel III

Alarmiert setzte ich mich auf. Etwas war hier. Etwas, das eindeutig nicht hierher gehörte und das ganz sicher nichts Gutes bedeutete.
Ich überlegte gerade, ob ich mir nicht eines der Küchenmesser schnappen und draußen nachsehen sollte, als es an der Tür klopfte.
Mein erster Gedanke galt Shannon, der Kleinen durfte nichts passieren, doch ehe ich mir überlegt hatte, was nun am Besten zu tun sein, öffnete sich die Türe einfach und ein Mann trat ein, mindestens zwei Meter groß und stark wie ein Bär. Er hatte blonde Haare, die er im Nacken mit einem Gummiband zusammengefasst hatte und einen prächtigen Vollbart.
Sein kariertes Flanellhemd spannte über seiner breiten Brust und in seinen hellblauen Augen lag ein spöttischer Ausdruck, als er mich musterte.
„Na Fellknäuel? Überrascht? Hast wohl nicht mehr mit mir gerechnet was?“, sagte er mit tiefer Bassstimme und schob ein schweres Paket in den Raum, ehe er die Tür hinter sich schloss. „Ich sagte doch, ich komme nach Sonnenuntergang und was Eric sagt, das hält er auch.“
Obwohl er so ungezwungen plauderte, ließ er mich doch nie aus den Augen und seine Muskeln waren die ganze Zeit über angespannt – aus gutem Grund. Ich hatte zwar noch nie zuvor einen gesehen, aber sowohl die fahle Haut, als auch der Geruch sprachen eine sehr deutliche Sprache: Vor mir stand ein Vampir.
Ein Grollen entrang sich meiner Kehle. Was wollte diese untote Kreatur hier? Mein ehemaliger Rudelführer hatte mir zwar nicht viel beigebracht, aber eines hatte er mir mehr als deutlich eingebläut: Vampire waren bösartig!
Der Hass zwischen Vampiren und Werwölfen war so alt wie die Welt und normal suchte keiner den anderen freiwillig auf, nur um mit ihm zu plaudern. Es musste also etwas anderes sein, das diesen Blutsauger angelockt hatte und was lag da näher als die Vermutung, dass er hinter dem Baby her war?
Im Nachhinein betrachtet war meine Schlussfolgerung natürlich vollkommen unlogisch. Wieso hätte er mir das Kind denn aufs Auge drücken sollen, wenn er es dann gleich in der nächste Nacht hätte holen wollen? Aber zu diesem Zeitpunkt war mein Denken vollkommen von meinem Instinkt beherrscht und ich war nahe dran, ihn einfach anzuspringen. Werwölfe waren stärker als Vampire – zumindest wenn sie ausgebildet waren.
„Wenn ich dir einen Rat geben darf, Streuner, versuch es gar nicht erst“, sprach Eric im selben Plauderton wie zuvor weiter. „Noch bin ich dir überlegen. Bist noch nicht lange mit diesem Virus infiziert, hm?“
Ich hatte unterdessen das schlafende Baby auf den Arm genommen und überlegte fieberhaft, wie ich sie vor diesem Monster schützen konnte. Kaum zu glauben, dass das Kind immer noch schlief. Eric sprach nicht grade leise und ich selbst zitterte wie Espenlaub, obwohl ich es krampfhaft zu unterdrücken versuchte.
„Verschwinden Sie!“, verlangte ich in einem Tonfall, in den ich so viel Drohung legte, wie ich nur konnte. Eric sollte nicht glauben, dass ich mich von ihm beeindrucken ließ. „Sie werden die Kleine nicht bekommen, um keinen Preis der Welt!“
Zu meiner Verwunderung hielt Eric inne – er hatte inzwischen angefangen, das Paket zu öffnen und Styroporchips im Raum zu verteilen, um an den Inhalt der Schachtel zu gelangen. Jetzt aber schaute er mich ehrlich überrascht an und begann schallend zu lachen.
„Oh nein, das ist sowieso deine Aufgabe, dich um sie zu kümmern, Streuner.“ Er grinste breit und entblößte ein makelloses Gebiss, auf das jeder Hollywoodmime neidisch geworden wäre. „Meinst du, ich hätte sie dir sonst mitgegeben?“
In aller Seelenruhe wandte er sich wieder dem Paket zu und zog schließlich ein seltsames Gebilde aus Metall, Plastik und weichem Stoff hervor, das er mit wenigen Handgriffen zu einem Kinderbettchen zusammenbaute. „Ich dachte mir, dass das für die Kleine wohl etwas besser wäre, als der Fußboden, meinst du nicht auch? Und jetzt steh hier nicht so dumm rum, sag mir lieber, wo’s hinkommen soll.“
Endlich fand ich meine Sprache wieder, nachdem ich einige Minuten lang mit offenem Mund dagestanden hatte.
„Wozu?“, wollte ich wissen. „Ich kann die Kleine nicht aufziehen... ich hab gar keine Zeit für so was! Ich hab nen Job... und ein winziges Problem an Vollmond, was dir wohl grade entfallen ist!“
Unbewusst war ich ebenfalls ins vertrauliche du gefallen, nachdem Eric es mir gegenüber so selbstverständlich nutzte. Der jedoch schien mir gar nicht zuzuhören. Stattdessen öffnete er einfach die Tür zum Schlafzimmer, schob das Kinderbettchen hinein, zauberte von irgendwo her noch Bettzeug und kam dann zurück, um mir Shannon abzunehmen. Aber nun war er zu weit gegangen.
„Fass sie nicht an!“, fauchte ich ihn an, drückte das Kind an mich und bleckte die Zähne, was wohl wirkungsvoller gewesen wäre, hätte ich meine Wolfsreißzähne zeigen können.
Der Riese starrte mich einen Moment lang verblüfft an, grinste dann aber breit und trat mir aus dem Weg.
„Schon gut... tut dir keinen Zwang an und bring sie selber ins Bett. Aber dann komm wieder – wir müssen was bereden.“
Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern trat einfach an den Tisch und setzte sich auf einen der Stühle, der unter seinem Gewicht ächzte.
„Nein!“, erwiderte ich energisch und trat einen Schritt auf die kleine Kochzeile zu, auf der noch das Messer lag, das ich zum Öffnen der Milchpulverpackung verwendet hatte. Viel würde das wohl nicht bringen, aber immerhin würde es mein Selbstbewusstsein ein klein wenig stärken. „SIE werden jetzt MEIN Haus verlassen und NIE wieder herkommen, verstanden?“
Ich legte soviel Nachdruck in meine Stimme, wie ich nur konnte.
Eric dagegen schien das kein bisschen zu beeindrucken. Er drehte leicht den Kopf und ich sah etwa ein halbes Dutzend Lachfältchen um seine Augen, während er gleichzeitig versuchte, sein Lachen zu unterdrücken.
„Oh, jetzt bekomm ich es aber mit der Angst zu tun, Streuner. Was hast du vor? Willst du mich mit Knoblauch bewerfen? Oder schnitzt du dir mit Hilfe des Messerchens aus dem Kochlöffel einen Pflock? Sag’s einfach, wenn du fertig bist, ich warte so lange.“
Sein amüsiertes Grinsen wurde immer breiter, bis er schließlich seufzte und schlagartig ernst wurde.
„Jetzt mal Klartext, Kleiner: Ich will weder DIR noch der Kleinen was, das hätte ich sonst schon längst getan und jetzt tu dir und mir einen Gefallen, steck Shannon ins Bett und komm her, dass wir reden können. Glaub mir, Streuner, ich bin dein kleinstes Problem hier in diesem Wald.“
Das war der Punkt, an dem ich aufgab. Ich drehte mich wortlos um und brachte Shannon ins Schlafzimmer. Nachdem ich sie in ihr neues Bett gelegt und zugedeckt hatte, betrachtete ich die Kleine noch ein wenig. Wie friedlich sie aussah. Vielleicht war es ganz gut, dass sie nicht wusste, in welcher Gefahr wir beide schwebten – sie und ich. Für einen Moment überlegte ich ernsthaft, mit Shannon zu schnappen und aus dem Fenster zu fliehen, doch ich verwarf diese Idee sofort wieder. Der Vampir hatte nur zu deutlich klar gemacht, dass ich ihm momentan unterlegen war.
17.11.07, 11:48:03

Zabanja

geändert von: Zabanja - 28.02.08, 11:48:13

Als ich zurückkam, fand ich Eric zu meinem größten Erstaunen am Herd vor, wo er irgendwas in einem Topf zusammenbraute. Es roch nach Rum und Gewürzen und gleich darauf hielt er mir eine heiße Tasse unter die Nase – dieser Blutsauger war wirklich verdammt schnell.
„Hier, du siehst so aus, als könntest du das brauchen. Hast du heut überhaupt schon was gegessen?“
Sein Tonfall klang fast fürsorglich.
„Ja“, schwindelte ich und roch misstrauisch an der Tasse. Der heiße Dampf ätzte mir fast die Schleimhäute weg, Eric hatte da wohl puren Alkohol erhitzt. Ich wollte gar nicht wissen, woher er das Zeug hatte, denn ich hatte gewiss keinen gekauft.
„Du sollst das nicht inhalieren, sondern trinken“, spottete mein ‚Gast’ und sah vergnügt dabei zu, wie ich, seinem Spott zum Trotz, einen großen Schluck nahm und prompt einen Hustenanfall bekam.
Weiß der Himmel, was er da zusammengepanscht hatte, jedenfalls spürte ich jeden Millimeter meiner Speiseröhre. Der wärmende Effekt war allerdings recht angenehm und den zweiten Schluck fand ich schon nicht mehr so schlimm. Genau genommen war das Zeug sogar recht gut – wenn man sich erst mal daran gewöhnt hatte...
„Ich glaub, für den Anfang hast du genug, Kleiner.“
Ich protestierte, als Eric mir die Tasse wegnahm, doch der Vampir war schneller.
„Du trinkst nicht oft Alkohol, oder?“, fragte er und musterte mich mit prüfendem Blick, während er den Rest des Tasseninhalts in den Ausguss kippte.
„Nur zu besonderen Anlässen“, antwortete ich und setzte mich auf einen der Stühle. Momentan war alles gut: Mir war warm, Shannon schlief immer noch und dank dem Gebräu waren meine Sorgen wie weggewischt – kurz gesagt, ich fühlte mich pudelwohl.
Ich erwiderte Erics prüfenden Blick – indem eine Mischung aus Belustigung und Sorge lag – mit stoischem Gleichmut und momentan war es mir wirklich egal, dass da ein verhasster Blutsauger an meinem Tisch saß.
„Kannst du noch denken, oder muss ich dir zuerst ne kalte Dusche verpassen?“, erkundigte sich mein Gegenüber höflich.
„Für dich wird’s reichen“, erwiderte ich heiter, aber ich meinte es durchaus ernst. Ich war nicht betrunken, nur durch den Alkohol nicht mehr so angespannt und wesentlich ruhiger, als zuvor.
„Gut, dann halt jetzt mal den Mund und hör zu. Also, du hast dir da eine hübsche Gegend ausgesucht, Streuner. Hast dir wohl gedacht, hier richtest du keinen Schaden an, was? Dummerweise haben wir hier das Landrecht und das schon seit einigen Hundert Jahren. Aber keine Sorge – solange du dich mit mir gut stellst, wird dir nichts passieren.“
Aha, klang ja irgendwie... Mist, der Alkohol war wohl doch stärker, als ich dachte.
„Dann bist du so was wie deren Obermacker?“, fragte ich und ich glaube, ich hatte ein recht dummes Grinsen im Gesicht, denn Eric zog eine Augenbraue hoch.
„Nein, aber das hier ist mein Revier und wir respektieren die Grenzen der anderen, sprich: Solange du ebenfalls hier in meinem Bereich bleibst, wird weder dir noch der Kleinen was passieren.“
Einleuchtend. Zumindest teilweise. Sollte wohl heißen: Tu was ich dir sage und ich lass dich an der langen Leine, oder wie meinte er das? „Wieso hast du eigentlich ausgerechnet sie gerettet und ihre Eltern nicht?“, wollte ich neugierig wissen und kämpfte gegen die aufsteigende Müdigkeit an. Alkohol war wirklich höllisch, ich hätte das Zeug nicht trinken dürfen. Vielleicht hatte er ja genau das damit bezweckt... dass ich müde wurde und er leichteres Spiel mit mir hatte?
Seine Antwort war so schlicht wie kurz. „Sie ist ein Kind.“
„Aha.“ Ich braucht ein Weilchen, während mein Verstand zu Arbeiten versuchte. Er hatte sie also nur gerettet, weil sie ein Kind war? Aber warum? Als Kind war sie doch alleine hilflos. Irgendwie wollte sich mir der Sinn seiner Worte nicht so ganz erschließen, dafür stellte ich ihm dann aber auch gleich die nächste Frage: „Und warum hast du dann nicht einfach mich getötet? Dann hätte die Kleine noch ihrer Eltern!“
Er schmunzelte, als er antwortet: „Ich töte keine Kinder – noch nicht mal, wenn’s räudige Welpen sind, so wie du.“
„Aber Vampire und Werwölfe sind Todfeinde!“
„Sagt wer?“
Sprachlos starrte ich ihn an. Eigentlich wusste das doch jeder, sogar die ‚normalen’ Menschen kannten diesen Streit zwischen uns ‚Freaks’, doch woher kam er? Der alte Wolf, der mich vor zwei Jahren gebissen hatte, hatte mir nur gesagt, ich solle den Blutsaugern aus dem Weg gehen, wenn ich überleben wollte – und jetzt saß ich hier einem gegenüber, der mir erzählte, ich könne in seinem Revier leben.
„Woher wusstest du, wie ich heiße?“, fragte ich schließlich, um auf ein anderes Thema zu kommen. „Die Geburtsurkunde der Kleinen... die hast du doch geändert, oder?“
Eric hatte mich die ganze Zeit über beobachtet und es war ein seltsames Gefühl, diese eisblauen Augen auf sich zu spüren. Irgendwie hatte man immer den Eindruck, er las in einem, wie in einem Buch. Jetzt schmunzelte er wieder, als er antwortete: „Das war nicht schwer. Ich wäre ein schlechter Vermieter, wenn ich den Namen meines Mieters nicht wüsste.“
Vergnügt zwinkerte er mir zu, während mir gleichzeitig die Kinnlade runterfiel.
„Die Hütte gehört dir?“
Er lachte. „Na irgendwie muss man ja zu Geld kommen, nicht?“
„Und die Urkunde? Wie... wie hast du das so rasch geändert? Sie sieht so echt aus.“
„Man hat so seine Beziehungen.“
Da war es wieder, das spöttische Grinsen. Der Vampir amüsierte sich wohl grade königlich über mein dummes Gesicht und meine Unwissenheit.
„Bleibt immer noch das Problem mit Shannon“, wechselte ich erneut das Thema, während sich meine Laune langsam wieder verschlechterte. „Ich muss morgen wieder zum Dienst antreten, um Geld zu verdienen, denn ich hab keine Hütten, die ich vermieten kann. Was soll ich da mit ihr machen? Ich kann sie ja schlecht alleine lassen und du wirst dich wohl kaum um sie kümmern können. Oder können Vampire seit neuestem tagsüber durch die Gegend wandeln?“
Ich klang ziemlich aggressiv, doch das schien mein Gegenüber nicht großartig zu stören. Vielleicht schob er es auch auf den Alkohol, jedenfalls sprach er vollkommen gelassen weiter.
„Bring sie zu Mrs. Coly. Die alte Dame findet es sowieso schon schrecklich, dass du die Kleine alleine großziehst. Sie ist der Meinung, ein Mann kann so was nicht alleine.“
Lediglich das Funkeln seiner Augen verriet, dass er sich schon wieder über mich lustig machte.
„Du hast ihr erzählt...!“ Ich sprang von meinem Stuhl auf und wusste nicht, sollte ich Eric dankbar sein oder ihm an die Kehle gehn – was nichts gebracht hätte, wie mir im Nachhinein klar wurde.
Auch der Vampir stand auf und sah auf mich herunter – immerhin war er einen guten Kopf größer als ich. „Na mir soll keiner nachsagen, ich würde mich nicht um meine Schützlinge kümmern.“
Er bezeichnete mich als seinen Schützling? Ging’s noch? Er, ein Vampir?
Gerade wollte ich aufbegehren, als Eric erneut zu reden begann und diesmal war ein anderer, strengerer Unterton in seiner Stimme – er würde keinen Widerspruch dulden, das war mir sofort klar.
„Wir reden ein andermal weiter, Damien. Du gehst jetzt ins Bett und schläfst dich aus und morgen bringst du Shannon Vormittags zu Mrs. Coly und holst sie nach Feierabend ab, verstanden? Wir sehen uns in ein paar Nächten wieder.“
Der Nachdruck in seinen Worten war unbezwingbar, mir blieb gar nichts anderes übrig, als schwach zu nicken und ihm schweigend nachzusehen, als er die Hütte verließ.



...to be continued...
28.02.08, 11:47:23

Zabanja

geändert von: Zabanja - 28.02.08, 11:56:25

Kapitel IV

Eric

Der Kleine war in Ordnung. Ein wenig trotzig vielleicht und verdammt unerfahren, aber das war nichts, was man nicht in Ordnung bringen konnte.
Ich gebe zu, ich war skeptisch, als ich seinen Geruch das erste Mal wahrgenommen hatte. Ein Werwolf? In meinem Gebiet? Das letzte Rudel hatten wir vor fast fünfzehn Jahren zerlegt und wenn ich ‚wir’ sage, dann meine ich damit alle Vampire Neufundlands. Den haarigen Genossen hat einer alleine kaum etwas entgegenzusetzen, dafür sind sie zu stark und zu schnell und genau das war es, was mir Kopfzerbrechen bereitete: WO war das Rudel des Kleinen? Pelzies waren immer im Rudel unterwegs.
Ich beschloss, den Knirps ein paar Nächte zu beobachten und auch tagsüber ließ ich ihn nicht aus den Augen, besser gesagt, ich sorgte dafür, dass immer jemand in seiner Nähe war, der ihn für mich überwachte. Es ist schon lästig, so etwas nicht selbst übernehmen zu können, aber meine Leute waren und sind sehr zuverlässig.
Als nach einer Woche immer noch keine Spur eines Rudels zu entdecken war, wurde ich neugierig. War der Kleine etwa doch ein Einzelgänger? Wollte er ein eigenes Rudel gründen? Besonders lange war er mit dem Wolfsvirus noch nicht infiziert, das hatte ich mittlerweile schon erkannt.
Vielleicht konnte ich ja das Experiment wagen, mich mit ihm anzufreunden. Starke Verbündete waren noch nie verkehrt und da der Junge, wie es schien, noch nicht verdorben war, konnte man diese schwachsinnige Fehde ja auch mal auf sich beruhen lassen. Immerhin konnte der Kleine nichts für sein Wolfsein – genauso wenig, wie ich es mir ausgesucht hatte, Vampir zu werden.
Und sollte es doch ein Rudel geben – dann war Damien der perfekte Ansatz, dieses zu vernichten. Klingt unfair, aber so spielt das Leben nun mal.
Die Hütte am Rand des Parks überließ ich ihm nur zu gern, so konnte ich ihn noch viel leichter überwachen und je näher der Vollmond rückte, um so weniger ließ ich den Jungen aus den Augen.
Eines muss man ihm ja ankreiden – er war wirklich viel zu sorglos. Er hatte sich nicht einmal die Umgebung angesehen, sonst hätte er gemerkt, dass im Umkreis von fünf Meilen drei Camper unterwegs waren.
Für einen Moment überlegte ich, ob ich sie warnen sollte – natürlich nicht vor einem Werwolf, das hätte mir sowieso niemand geglaubt, aber so eine kleine Bärenwarnung wirkt immer wieder Wunder. Doch dann entschied ich mich dafür, nicht einzugreifen, sondern abzuwarten. Womöglich hatte sich der Streuner doch besser unter Kontrolle, als ich ihm zutraute.
Dann war es schließlich so weit. Ich sah, wie der Kleine in aller Eile aus der Hütte floh – und leichtsinniger Weise die Türe offen ließ, die ich, führsorglich wie ich bin, schloss, ehe ich ihm folgte.
Nervös wurde ich erst, als ich sah, dass er ausgerechnet in die Richtung rannte, in der die kleine Familie campierte. Nicht dass es mich störte, wenn er seinem natürlichen Zwang nachging. Werwölfe waren nun mal Jagdtiere, aber ich wusste genau, dass dort ein Kind war und Kinder sind meine Schwäche. Waren sie schon immer. Ich liebe es, ihnen beim Heranwachsen zuzusehen – auch wenn sie mit zunehmendem Alter immer verdorbener werden, bis sie schließlich genauso nichtsnutzig sind, wie die meisten erwachsenen Menschen. Nur höchst selten behält ein Kind seine unschuldige Offenheit, wie damals, als... aber das gehört jetzt nicht hierher. Vielleicht erzähle ich es einmal bei Gelegenheit. Momentan interessierte nur, dass ich dieses Kind vor dem Streuner retten wollte und da ich wusste, dass diesem erst noch seine Verwandlung bevorstand, beeilte ich mich, um uns – dem Kind und mir – einen kleinen Vorsprung zu verschaffen.

Als ich beim Wohnmobil ankam, hörte ich das Fellknäuel bereits schreien, viel Zeit blieb mir also nicht mehr. Trotzdem musste ich vorsichtig sein, da ich von den Eltern unentdeckt bleiben wollte. Hysterisch Mütter sind mir ein Graus und vermutlich hätte es den Pelzie noch auf unsere Spur gebracht, wenn die beiden Erwachsenen wie aufgescheuchte Hühner durch die Gegend rannten und ihr Baby suchten.
Aber ich hatte Glück: Die beiden ahnten nichts von ihrem Tod, der da draußen schon wieder vor Schmerz brüllte oder vielmehr jaulte, anscheinend hatte er seine Verwandlung so gut wie hinter sich gebracht, sondern gaben sich ganz ihrer Leidenschaft hin.
Leise, um die beiden nicht auf mich aufmerksam zu machen, öffnete ich die Fahrertüre und holte mir das schlafende Kind, das sich weder vom Stöhnen seiner Eltern, noch vom Fernseher, noch vom Jaulen des sich nähernden Werwolfs stören ließ und schaffte es gerade noch, die Kleine und mich aus dem Fahrzeug zu befördern, als dieses vom Anprall der Wolfskreatur erschüttert wurde und die Menschen nun doch endlich merkten, dass hier etwas nicht stimmte.
Ich sah zu, dass ich mit der Kleinen weg kam und erst in sicherer Entfernung blieb ich wieder stehen und blickte zurück.
Im Inneren des Campingwagen tobte das Chaos und ich hörte das entsetzte Kreischen der Frau bis hierher. Für einen Augenblick überkam mich Mitleid, doch das verging rasch wieder und ich wandte mich meinem kleinen Waisenkind in Spe zu, das inzwischen aufgewacht war, sich aber instinktiv ruhig verhielt.
„Kluges Mädchen“, sagte ich leise und in beruhigendem Tonfall, während mich das kleine Geschöpf neugierig musterte. „Onkel Eric macht mit dir jetzt einen kleinen Ausflug, wir müssen noch ein paar Sachen für dich besorgen und morgen hast du dann einen neuen Papa. Komm, Kleines, gehen wir.“
Es war für mich kein Problem, die nötigsten Babyutensilien zu beschaffen. Wozu hat man seine, nun, nennen wir es mal Dienstboten?
Jedenfalls nahm es mir Mrs. Coly nicht übel, dass ich sie Nachts um elf aus dem Bett holte und ihr die Kleine in die Arme drückte, damit sie auf sie aufpasste, während ich meine Besorgungen tätigte: Babynahrung und Windeln holte ich mir aus Mr. Todds Supermarkt, besser gesagt aus dem dortigen Lager. Der gute Todd würde zwar fluchen, wenn seine Inventurliste nicht stimmte, aber das war mir egal. Auch die Geburtsurkunde zu fälschen war kein größeres Problem. Schwieriger war da schon die Sache mit der Babykleidung. Ich konnte ja schlecht von Haus zu Haus gehen und dort die Wäsche von der Leine klauen. Noch dazu gab es zur Zeit nur drei weitere Säuglinge hier im Vorort, da wäre es zu sehr aufgefallen, wenn plötzlich ein viertes Baby auftauchte, das genau die selben Sachen trug wie jene, die zuvor verschwunden waren.
Blieb mir also nichts anderes übrig, als ins nahegelegene Rocky Harbour zu fahren und dort wenigstens so viele Strampler samt Hemdchen zu besorgen, dass der Streuner über die ersten Tage kam.
Innerlich fluchte ich und wünschte mir, ich hätte mich entweder gar nicht erst eingemischt oder dem Pelzie einfach den Garaus gemacht, doch als ich wieder zurück war und Mrs. Coly die Kleine abnahm, legte sich der Ärger rasch wieder.
Soweit war alles geschafft, jetzt brauchte ich nur noch der alten Frau eine neue Erinnerung geben – was für mich kein größerer Aufwand war – das Baby samt Ausstattung zurück zum Wohnmobil bringen und dem Streuner seine neue Aufgabe erklären... OK, ein paar Klamotten sollte ich ihm wohl auch noch bringen, denn ein nackter Mann mit Baby, das sah dann doch seltsam aus.
Es dämmerte schon fast wieder, als wir endlich bei den traurigen Resten des einst neuen Campingwagens ankamen und ich entschied mich für die relativ saubere Fahrerkabine, um Shannon, wie ich die Kleine kurzerhand getauft hatte, unterzubringen. Ich schichtete Windeln, Babynahrung, das Köfferchen mit ihrer Kleidung und Pelzies neue Klamotten auf den Fahrersitz, legte den Umschlag mit Geburtsurkunde und Begleitbrief darauf und sah zu, dass ich weg kam, ehe die aufgehende Sonne mir eine neue Hautfarbe verpassen konnte.

Am nächsten Abend, die Sonne war gerade erst untergegangen, machte ich mich sofort auf den Weg in die Stadt. Mir war nämlich eingefallen, dass das Baby nicht die ganze Zeit über in der winzigen Tasche schlafen konnte und ehrlich gesagt traute ich es dem Streuner nicht zu, ihr ein anständiges Bett zu besorgen. Wenn er sie denn überhaupt mitgenommen hatte. Gnade ihm Gott, hatte er es nicht getan, dann konnte er etwas erleben.




28.02.08, 11:47:48

Zabanja

geändert von: Zabanja - 28.02.08, 11:48:47

Glücklicherweise gibt es heutzutage diese kleinen, klappbaren Reisebetten, vor hundert Jahren hätte ich mir mit einem Babybett noch etwas schwerer getan, aber so war es kein großes Ding. Der Händler hatte es sogar vorrätig und so ich war rasch wieder auf dem Rückweg.
Den Karton mit dem Bettchen unter den Arm geklemmt näherte ich mich dem Häuschen zu Fuß und da ich von Grund auf ein höflicher Mensch, oder auch Vampir, bin, klopfte ich laut und wartete ein paar Sekunden, ehe ich die Türe öffnete.
Der Streuner hockte auf dem Boden, das Baby neben sich auf einer Wolldecke und starrte mich an wie einen Geist. Beinahe hätte ich losgelacht, denn ihm standen tatsächlich vereinzelte Härchen steil in die Höhe, er hatte also doch erkannt, was ich war.
„Na Fellknäuel? Überrascht? Hast wohl nicht mehr mit mir gerechnet was?“, fragte ich ihn in einem fröhlichen Plauderton, der die Atmosphäre lockern sollte. Gleichzeitig schob ich den Karton mit dem Bettchen ins Zimmer und schloss die Tür hinter mir.
Die Reaktion des Kleinen war wirklich drollig. Er sprang auf, schnappte sich Shannon, die unbeeindruckt weiterschlief und für einen Moment sah er wirklich so aus, als wollte er sich mit mir anlegen.
„Wenn ich dir einen Rat geben darf, dann versuch es gar nicht erst. Du hast momentan eh keine Chance“, versuchte ich ihm klarzumachen und begann gleichzeitig, das Bettchen aus dem Karton zu zerren. Als er mir dann jedoch vorwarf, ich hätte es auf die Kleine abgesehen, da blieb mir dann doch für einige Sekunden der Mund offen stehen. Als ob ich nichts besseres zu tun hätte, als Babys umzubringen. Das hätte ich ja dann nachts zuvor schon erledigen können, besser gesagt, er hätte es erledigt, hätte ich mich nicht eingemischt.
Lachend machte ich ihm klar, dass ich nicht vorhatte, ihm oder der Kleinen auch nur ein Haar zu krümmen und begann anschließend, das Bettchen zusammenzubauen. An Bettzeug hatte ich auch gedacht und während er noch lamentierte, dass er Shannon unmöglich behalten konnte, war ich schon auf dem Weg ins Schlafzimmer, um das Kinderbett dort zwischen Bett und Wand zu quetschen.
Der Junge stand weiterhin wie versteinert und rührte sich erst wieder, als ich ihm das Baby abnehmen wollte. Dann aber zeigte er mir die Zähne und gebärdete sich wie ein tollwütiges Hündchen. Ich musste mich wirklich zusammenreißen, um nicht erneut loszulachen und so drehte ich mich um und setzte mich einfach an den Tisch, um es ihm selbst zu überlassen, die Kleine ins Bett zu bringen.
Erst zickte er noch ein bisschen herum, doch nach ein paar deutlichen Worten meinerseits hatte er wohl doch endlich begriffen, dass ich weder ihr noch ihm etwas wollte. Allerdings wirkte er ziemlich durch den Wind und so würde der Rum, den ich wohlweislich eingesteckt hatte, doch noch zum Zuge kommen.
Ich wartete ab, bis er im Schlafzimmer verschwunden war, ehe ich aufstand und mich ans Werk machte. Einen anständigen Grog konnte ich schon immer gut brauen. Das vergaß man auch dann nicht, wenn man schon seit einigen Jährchen keinen mehr trank.
Wasser war da, Zucker hatte der Pelzie vorrätig und das zusammen mit dem Rum und ein paar geheimen Gewürzen... das würde die Lebensgeister des Kleinen schon wieder auf Vordermann bringen und ihn gleichzeitig – hoffentlich – so weit entspannen, dass man vernünftig mit ihm reden konnte.
Als Damien dann endlich wieder aus dem Schlafzimmer kam, drückte ich ihm die Tasse Grog in die Hand und brachte ihn dazu, einen Schluck zu trinken.
Es war wirklich goldig, wie er so nach Luft schnappte. Oft hatte er noch nicht getrunken, soviel war klar. Ich musste aufpassen, dass er nicht zuviel trank, denn sonst wäre ein sinnvolles Gespräch nicht mehr möglich und so nahm ich ihm schließlich die Tasse ab und leerte den guten Grog in den Ausguss. Anschließend setzte ich mich ihm gegenüber und zweifelte im ersten Moment, ob er nicht vielleicht doch schon ein wenig zuviel Alkohol intus hatte.
Auf meine höfliche Frage, ob er zuerst duschen wolle, antwortete er zwar frech, aber ohne zu lallen und das war für mich Beweis genug, dass sein Hirn noch nicht vollkommen abgeschalten hatte.
„Gut, Kleiner“, begann ich, „dann halt jetzt mal den Mund und hör zu. Also, du hast dir da eine hübsche Gegend ausgesucht, Streuner. Hast dir wohl gedacht, hier richtest du keinen Schaden an, was? Dummerweise haben wir hier das Landrecht und das schon seit einigen Hundert Jahren. Aber keine Sorge – solange du dich mit mir gut stellst, wird dir nichts passieren.“
Als ich sein dümmliches Grinsen sah, mit dem er mich fragt, ob ich hier der Chef wäre, zweifelte ich zunächst an meinem Urteilsvermögen. Damien hatte doch mehr getankt, als ich wahr haben wollte. Aber es nutzte nichts, ich würde ihm dennoch jetzt gleich erklären, was Sache war.
„Nein, ich bin keineswegs der ‚Obermacker’, aber das hier ist mein Revier und wir respektieren die Grenzen der anderen, sprich: Solange du ebenfalls hier in meinem Bereich bleibst, wird weder dir noch der Kleinen was passieren.“ Das sollte sogar er in seinem benebelten Zustand verstehen.
„Wieso hast du eigentlich ausgerechnet sie gerettet und ihre Eltern nicht?“
Ich gebe zu, mit dieser Frage hatte ich nicht gerechnet. Ich wusste ja selbst nicht genau, aus welchem Grund ich das getan hatte. Verfluchte Schwäche eben.
„Sie ist ein Kind“, erwiderte ich so gelassen, als wäre es das normalste der Welt und ich konnte förmlich sehen, wie sein Verstand arbeitete, um das gehörte zu verstehen.
„Aha... und warum hast du dann nicht einfach mich abgemurkst? Dann hätte sie noch ihre Eltern.“
Langsam fragte ich mich, ob er mich nicht verstehen wollte. „Also noch mal: Ich töte keine Kinder. Nicht mal dann, wenn ihnen an Vollmond ein Fell und ein Schwanz wächst.“
„Aber Vampire und Werwölfe sind Todfeinde!“
„Sagt wer?“
Meine trockene Gegenfrage brachte ihn vollends aus dem Konzept, überforderte sein benebeltes Hirn und schließlich flüchtete er, in dem er einfach ein anderes Thema anschnitt.
„Woher kennst du meinen Namen. Das mit der Geburtsurkunde, das warst doch du!“
„Gut erkannt, bravo.“ Ich glaube mittlerweile konnte ich meine Belustigung nicht mehr vor ihm verbergen. „Ich wäre ein ziemlich schlechter Vermieter, wenn ich den Namen meiner Mieter nicht kannte, meinst du nicht?“
Dem Kleinen fiel buchstäblich die Kinnlade herunter. Er wollte noch einiges wissen, wieso ich ihm die Hütte vermietet hatte, wie ich es geschafft hatte, die Geburtsurkunde zu fälschen, wie ich mir das mit ihm und Shannon vorstellte, denn er habe ja so ein kleines Problemchen an Vollmond und so weiter.
Irgendwann hatte ich dann genug. Der Morgen würde bald dämmern und ich war noch nicht auf der Jagd gewesen. Es war höchste Zeit, andere Seiten aufzuziehen und so legte ich meine volle Willenskraft in meine Stimme, sodass Damien sich einem Befehl nicht würde entziehen können und gab ihm genaue Anweisungen, was er nun zu tun hatte: Er würde Shannon tagsüber, wenn er arbeitete, zu Mrs. Coly bringen, die bereits auf die Kleine wartete. Nach Feierabend würde er sie dort wieder abholen und ich würde in ein paar Tagen, wenn die beiden sich aneinander gewöhnt hatten, wieder vorbeikommen, um nach ihnen zu sehen.
Am glasigen Blick des Streuners erkannte ich, dass meine Worte Wirkung zeigten und so stand er widerspruchslos auf und ging zur Schlafzimmertür, wo er sich nochmals umdrehte und mir so lange nachstarrte, bis ich die Hütte verlassen hatte.
Er würde es nicht wagen, etwas anderes zu tun als das, was ich ihm aufgetragen hatte.
Vor Damien und mir lag noch ein langer Weg, aber gemeinsam konnten wir etwas schaffen, das es schon seit Jahrhunderten nicht mehr gegeben hatte. Gemeinsam hatten wir eine Chance.


...to be continued...
 
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