23.05.08, 11:36:55
Zabanja
Erfindungen aus dem Mittelalter
Ich bin durch Zufall auf ein Buch gestoßen, in dem es um Erfindungen aus der langen Zeit des Mittelalters geht und da es ja in unserem Spiel immer wieder Fragen gibt, ob dieses oder jenes schon verwendet werden dürfte, schreibe ich hier jetzt mal ein paar Dinge zusammen, die ihr durchaus verwenden dürft.
Nützliches:
Brillen und Sehhilfen
Ganz am Anfang gab es Lupen und Lesesteine (Berylle), die durch Vergrößerung das Lesen von Texten erleichterte. Anfang des 14. Jahrhunderts wurde dann der berühmte Zwicker erfunden, die erste Brille. Sie hatte noch keine Bügel, sondern wurde auf die Nase geklemmt oder mit Hilfe eines Stabes vor die Augen gehalten. Da das recht umständlich und unbequem war, wurde der Zwicker nicht ständig getragen, sondern, wenn er nicht dringend gebraucht wurde, in einem Säckchen mit sich getragen.
Erst im 18. Jahrhundert bekam die Brille ihre Bügel, also wenn ihr Sehhilfen verwenden wollt, bitte drauf achten: NUR Zwicker oder Monokel – oder eben Lupen und Lesesteine.
Anfangs waren Brillen übrigens alleinig den Männern vorbehalten.
Fensterglas
Fensterglas gab es bereits gegen Ende des 10. Jahrhunderts, allerdings war es sehr teuer und wurde meist nur in (sakralen) Prachtbauten oder Palästen verwendet.
Zwischen Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts tauchten dann Glasfenster auch in den Häusern der adeligen Familien oder wohlhabenden Bürger auf. Alle anderen mussten sich mit kleinen Fensteröffnungen begnügen, die mit Pergament bespannt oder mit Tüchern verhängt wurden, um die Kälte abzuhalten.
Natürlich dürft ihr alle gerne Fensterscheiben haben, bedenkt aber, dass diese – sollte eines zu Bruch gehen – sehr teuer sind und dass sie nicht aus einer durchgehenden Scheibe bestehen können (die Herstellung großer Scheiben war damals noch nicht möglich), sondern dass Glasscheiben immer aus vielen kleinen Einzelteilen gefertigt worden sind. Ein gutes Beispiel sind die auch heute teils noch verwendeten Butzenscheiben.
Papier
In China wurde Papier bereits im 2. Jahrhundert VOR Christus hergestellt und im Jahr 610 nach Christus war es nachweislich auch in Korea bekannt.
Im 8. Jahrhundert verstand sich der gesamte Orient auf die Papierherstellung und 1150 erreichte sie schließlich auch Europa, denn ab diesem Zeitpunkt ist die Existenz einer Papiermühle in Spanien nachgewiesen.
Es war eine aufwändige Prozedur, in der man sowohl Pflanzenfasern, als auch Lumpen zerschnitt und sie in Holzmörsern so lange zerstampfte, bis sie zu Pulver wurden. Das Ganze wurde mit Wasser zu einer flüssigen Paste verrührt und auf dünnmaschigen Netzen abschöpfte und trocknen ließ.
Waren in die Netze Muster aus Metallfäden eingewoben, hinterließen sie beim Trocken ein durchscheinendes Siegel – das Wasserzeichen, das auch heute noch gerne verwendet wird.
Ab sofort könnt ihr also auch gerne normales Papier anstelle von teurerem Pergament verwenden. Ist halt nicht so lange haltbar und nicht so widerstandsfähig, wie Pergament.
Uhren
Eigene Uhren für jeden Haushalt gab es NICHT, die Zeit wurde von der Kirche bestimmt, Anfangs auch hier noch ohne Uhr, sondern mit dem Glockenläuten (die Glocken wurde von Hand geläutet, eine Uhrenanzeige mit Ziffernblatt wie wir es heute kennen gab es noch nicht). Gezählt wurde ab dem Sonnenaufgang und zwar zur ersten Stunde (6 Uhr morgens), zur dritten (9 Uhr), sechsten (12 Uhr mittags) und zur neunten Stunden (3 Uhr nachmittags). Die Kirche fügte dem noch vier weitere Gebetsstunden hinzu (Matutin (Mitternacht), Laudes (früher Morgen), Vesper (später Nachmittag) und Komplett (vor dem Schlafengehen), das galt allerdings hauptsächlich fürs klösterliche Leben.
Ab dem 12. Jahrhundert wurden allmählich die Arbeitsstunden mit einbezogen. Das Läuten der Glocken wurde nach den Sonnenuhren ausgerichtet. Schien grade keine Sonne, sorgten Wasseruhren (die aber einfrieren konnten), Sanduhren oder geeichte Kerzen für (nicht grade zuverlässigen) Ersatz.
Natürlich variierten die Stundenlängen je nach Jahreszeit. Im Winter waren sie kürzer, im Sommer länger, bis Ende des 13. Jahrhunderts mit der Erfindung der Räderuhr endlich eine halbwegs gleichmäßige Zeitmessung möglich war.
Die Turmuhren bekamen Ziffernblätter und wurden oft mit einem Glockenspiel versehen, die bei den Bürgern großen Anklang fand. Anfangs gab es übrigens auch nur Stundenzeiger. Minutenzeiger wurden erst 1577 eingeführt.
Mitte des 14. Jahrhunderts wurden Uhren auch an Rathäusern angebracht.
Bitte bitte – lasst keinen eurer Charaktere mit einer Taschenuhr herumlaufen! Die gab es noch nicht. Taschenuhren wurden erst im 16. Jahrhundert erfunden.
Bekleidung
Knöpfe
Auch wenn sich hier gerne die Meinungen scheiden – es GAB bereits Knöpfe. Allerdings wurden sie mehr als Dekoration und Zierrat angesehen, denn um Kleidung zu schließen.
Die Verwendung von Knöpfen als Kleiderschließe kam erst im 13. Jahrhundert so richtig in Mode. Zuvor wurden Hemden und Hosen mit Schnallen, Riemen und Bändern geschlossen.
Ihr könnt nehmen, was euch lieber ist. Gegeben hat es sie jedenfalls schon und sie wurden auch gerne eingesetzt, z.B. für
Abnehmbare Ärmel
Sie waren besonders beliebt. Im Haus trug man meist schlichte Ärmel und brauchte diese, wenn man ausgehen wollte, nur rasch durch ‚ein anderes paar Ärmel’ ersetzen. Ersatzärmel waren auch praktisch, weil man nicht die komplette Kleidung, sondern nur die Ärmel waschen musste. Waschen war ja zu dieser Zeit bekanntlich noch sehr aufwändig.
WEitere Bekleidungsstückewaren Unterhosen (für Männer! Frauen bekamen erst viel später das Recht zugesprochen, Hosen zu tragen), Strümpfe und Handschuhe (ja, die gabs auch schon).
Warum ich die Unterhosen erwähne? Ich bekomm jedes Mal einen Lachanfall, wenn jemand im Handelsviertel Reizwäsche, Büstenhalter oder Korsetts kaufen geht. Gabs alles noch nicht, wird aber immer wieder geschrieben. Es gab Mieder, ja, aber keine Tangaslips, BHs, halterlose (Spitzen)strümpfe oder ähnliches. Achtet da doch ein bisschen drauf, ja? Gängig waren Unterröcke, lange Hemden (übrigens von Männern UND Frauen getragen) und eben auch Beinkleider.
Frauen dürfen im Spiel selbstverständlich auch Hosen tragen, König Medil sieht das nicht so streng ;)
Tischmanieren
Gegessen wurde Anfangs mit den Fingern und mit Hilfe des Messers, das sowieso jeder mit sich trug. Brei und Suppe wurden mit Löffeln gegessen oder einfach geschlürft.
Allerdings gab es auch schon Gabeln, die zu Beginn des 11. Jahrhunderts immer häufiger auch am Tisch Einsatz fanden. Allerdings hatten sie damals nur zwei Zinken, die noch dazu ziemlich lang waren, die Verletzungsgefahr war also noch relativ hoch.
Darüber hinaus wurde oft direkt aus dem Topf oder von nur einem Teller gegessen, wenn das Essen nicht sowieso direkt auf einer Brotscheibe serviert wurde.
Suppe, Eintopf und Brei kam entweder ebenfalls in kleinen, ausgehöhlten Broten oder in Holznäpfen auf den Tisch (oder eben – in Familien – direkt im Topf und jeder aß daraus)
Nach und nach wurde dann – vor allem im Adel – der eigene Teller für jede Person eingeführt, was allerdings recht kostspielig war. Scherben waren also eher kein Glück, sondern Unglück.
Erdäpfel/Kartoffeln gab es übrigens noch keine, dafür waren die Nudeln schon erfunden. Viel Spaß also bei gemütlichen Spaghettiorgien oder Lasagneschlachten.
Zum Schluss noch eine Erfindung, die es zwar schon gab, die aber
bitte im Spiel nur bedingt eingesetzt werden sollte – das Schießpulver
Erfunden wurde es im 14. Jahrhundert und es galt als reichlich ehrloses Mittel ohne ritterliche Ideale. Die wenig später erfundene Arkebuse – praktisch der Vorläufer der Gewehre – war alles andere als eine faire Waffe und genau aus diesem Grund habe ich sie bisher im Spiel nicht zugelassen, auch wenn schon Nachfragen kamen.
Ich bin der Meinung, dass wir auch ohne Feuerwaffen und mit Magie schon genügend Schaden anrichten können, da brauchen wir nicht auch noch die Arkebuse. Verzichtet bitte auch auf die mit Schießpulver und Eisenpfeilen ausgestattete ‚Schießbüchse’ und ähnliches.
Auf Kanonen an Festungen oder als Belagerungswaffe kann ich mich zur Not noch einlassen – bedenkt aber, dass sie schwer und umständlich waren.
23.05.08, 11:52:41
Zabanja
*schmunzel*
Zum Thema 'Bekleidung' gibts auch gleich noch eine Ergänzung.
Der Einfachheit halber zitiere ich jetzt direkt aus dem I-net:
Im Mittelalter trug der Mann nur selten Hosen, statt dessen hatte er Beinlinge, die an einer Bruche angenestelt wurden.
Die Bruche war eine übergrosse halblange Hose aus Leinen, die als eine Art Unterhose getragen und in der Taille durch einen Wickelbund, oft mit eingerolltem Gürtel oder Seil, gehalten wurde. Die Hosenbeine waren ziemlich weit und nicht vernäht, sondern wurden eng um die Beine gewickelt, damit sie unter den Beinlingen keine störenden Falten warfen.
Auf einigen Darstellungen aus dem Mittelalter sieht man Männer bei der Arbeit, meistens Bauern, die nur mit ihrer Bruche bekleidet sind. Dabei wurden die Enden der Hosenbeine an den Schnüren für die Beinlinge befestigt, damit sie nicht störten.
Für Frauen gab es übrigens keine Bruche und auch sonst keine Unterwäsche, weil man sie als ein "unsauberes" Geschlecht erachtete, bei dem der Wind oben und unten durch die Kleider fahren müsse, um die Dämpfe zu vertreiben. Diese Meinung hielt sich bis spät in die Renaissance.
Eine Bruche ist einfach herzustellen: Ein rechteckiges Tuch, in der Breite ca. 2,5 mal Bauchumfang und 100 - 150 Zentimeter hoch, wird zweimal bis zur halben Höhe eingeschnitten.
Anschließend werden die Seiten eingeschlagen und mit dem eingeschnittenen Teil vernäht. Zusätzlich werden noch zwei Schnüre zum Befestigen der Beinlinge am Bund angebracht.