2. Schreibwettbewerb: Thema - Reise/n

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02.02.06, 10:05:01

Zabanja

· Thema: Reise/n
· Vorgegebene Wörter: Kreuz, Sohle, Lager, Kreis, Heim
· Länge der Geschichte: Maximal 2 Din A4 Seiten
· Schriftgröße: 12 (Standard)
· Schriftart: Arial oder New Times Roman
· Abgabetermin: 01.04.2006


Ich möchte nochmal drauf hinweisen, dass die Wörter NICHT in der aufgelisteten Reihenfolge erwähnt werden müssen, und dass man sie durchaus auch zu einem zusammengesetzten Hauptwort verbinden darf. So kann der Kreis zum FreundesKREIS werden oder man ist auf einem KREUZzug unterwegs. Kein Problem.

14.02.06, 20:44:56

Einhorn

Traumreise


Becci lag auf dem Sofa als Frank Heim kam und schlief und ließ sich auch nicht von ihm wecken als er rief: „Hallo Liebes, ich bin wieder zu Hause!“ So betrat er dann das Wohnzimmer und sah sich suchend um, fand sie auf dem Sofa liegend, Schweiß auf ihrer Stirn. Besorgt beugte er sich zu ihr hinunter und fühlte ihre Stirn, die kochend heiß war. Er dachte nicht lange nach, stand auf und ging in die Küche um für sie Wadenwickel vorzubereiten. Schon nach kurzer Zeit kam er mit nassen Tüchern und noch einigen trockenen wieder und machte sich daran ihr die Wadenwickel umzulegen. Becci schlug durch die plötzliche Kälte an ihren Beinen die Augen auf und fragte leise als sie Frank erkannte: „Was machst du da?“, sie versuchte sich aufzurichten. Frank hielt kurz in seiner Arbeit inne und drückte sie sanft zurück aufs Sofa, flüsterte: „Bleib ruhig liegen mein Engel, du bist krank und brauchst Ruhe. Ich kümmere mich schon um dich.“ Becci lächelt matt, während er seine Arbeit vollendete. Erst strich er ihr sanft durchs Haar, dann streichelte er sanft über ihre Wange während er flüsterte: „Schlaf mein Engel, ich werde bei dir wachen.“ Becci schlief kurze Zeit später, durch die Krankheit geschwächt, ein und glitt in einen tiefen Traum hinein. Frank setzte sich, nachdem sie eingeschlafen war, nicht weit von ihr entfernt an den Tisch und begann zu schreiben.

Becci fand sich in einem roten Sommerkleid und mit leichten Leinenschuhen bekleidet an einem Strand wieder. Sie schaute aufs kristallklare Meer hinaus und genoss die warme Sonne auf ihrer Haut. Doch schon nach kurzer Zeit bemerkte sie, wie die kreisrunde Scheibe der Sonne langsam im Meer versank. So schaute sie sich nach einem Hotel oder ähnlichem um, doch zu ihrem entsetzen musste sie feststellen, dass sie vollkommen allein und rings um sie herum kein Haus zu sehen war. Becci murmelte: „Das kann doch nicht wahr sein?! Wo bin ich hier und was mache ich nun?!“ Aber sie dachte nicht lange nach und ging einfach am Strand entlang, in der Hoffnung doch noch irgendwen oder irgendwas zu finden. Sie ging solange weiter bis die Sonne endgültig untergegangen war, setzte sich dann seufzend in den Sand und sah aufs Meer hinaus bis ihr plötzlich die Augen zufielen. Als Becci ihre Augen wieder aufschlug saß sie immer noch im Sommerkleid auf einem hohen Berg, um sie pfiff der kalte, gnadenlose Wind, es schneite und sie fror fürchterlich.

Frank sah derweil vom Schreiben auf und bemerkte, dass Becci zitterte, stand auf und legte eine weitere Decke über sie. Becci hörte bereits nach kurzer Zeit wieder auf zu zittern. Er hauchte ihr dann noch einen sanften Kuss auf die Stirn und setzte sich wieder hin um weiter zu schreiben.

Becci derweil entdeckte unweit von sich Winterkleidung, die genau ihre Größe zu haben schien. Sie dachte nicht lange nach, zog sie über und war überrascht, als diese wie angegossen passte. Dann erst sah sie sich genauer um. Sie stand an einem Abgrund. Unter ihr in der Talsohle konnte sie einen reißenden Strom erkennen. Über ihr erkannte sie unweit von sich das Gipfelkreuz. Erneut schaute sie nach unten und schüttelte den Kopf, den Abstieg konnte sie ohne ordentliche Ausrüstung unmöglich schaffen. Ihr Blick glitt wieder zum Gipfelkreuz, sie zuckte leicht, als sie meinte dort etwas liegen zu sehen. So beschloss sie dann den restlichen Weg zum Gipfelkreuz zurückzulegen. Der Aufstieg dauerte allerdings länger als Becci gedacht hatte, denn sie erreichte erst nach ungefähr einer Stunde mühsamen Aufstiegs das Gipfelkreuz. Sie atmete tief durch und suchte das was sie von weiter unten gesehen hatte, doch sie fand nichts. Erschöpft wie sie war lehnte sie sich erstmal ans Gipfelkreuz und schloss die Augen. Doch als Becci die Augen wieder öffnete stand sie in einem dichten Wald umgeben von lauter Him- und Brombeerbüschen. Sie legte die dicke Winterjacke ab, denn im Wald war es warm genug, und machte sich dann über die Him- und Brombeeren her.

Frank schaute überrascht auf, als er ein schmatzendes Geräusch vom Sofa her vernahm, er stand auf und sah nach Becci. Er schmunzelte als er sah wie Becci scheinbar etwas im Schlaf aß, sah aber auch die Schweißperlen auf ihrer Stirn. So ging er ins Bad und holte einen kühlen Waschlappen um Becci damit den Schweiß von der Stirn zu wischen. Als er damit fertig war hörte auch Beccis Schmatzen auf und er setzte sich zurück an den Tisch um weiter zu schreiben.

Becci hatte sich mittlerweile satt gegessen und sah sich um, aber egal wohin sie sah, überall waren nur Bäume. Sie seufzte schließlich und begann sich in irgendeine Richtung durch die Bäume zu schlagen, bis sie schließlich am Rande einer Lichtung auf ein Lager stieß. Becci verbarg sich im Gebüsch um die fremdartigen Wesen vor sich zu beobachten. Die Wesen sahen zwar mehr oder weniger wie Menschen aus, hatten aber Flügel anstelle von Armen und einen Schnabel im Gesicht.

Becci erschrak, als sie hinter sich eine freundliche Stimme vernahm: „Werte Dame was führt euch in diesen Wald?“ Becci drehte sich langsam zu der Stimme um und erkannte einen der Vogelmenschen, stotterte: „Ver... verzeiht... ich... ich... habe mich... ver... verlaufen... und... und... finde den... den Weg nach... nach Hause nicht mehr.“ Der Vogelmensch lächelte, zumindest sah es so aus, und sprach: „Habt keine Angst, wir werden euch schon nach Hause bringen.“ Der Vogelmensch führte Becci ins Lager am Rande der Lichtung, wo diese sich mit großen Augen umsah. Bald darauf trat sie mit dem Vogelmenschen in eines der Zelte, dort saß ein weiterer Vogelmensch, der allerdings älter und weiser zu sein schien, denn er sprach: „Hallo Becci, setz dich doch und ruhe dich aus.“ Zum Vogelmenschen, der Becci gefunden hatte, sagte er: „Bitte schicke mir Firus vorbei, damit er sie nach Hause bringen kann.“ Der andere Vogelmensch nickte nur und verließ das Zelt. Becci sah den Alten staunend an: „Woher kennt ihr meinen Namen und vor allem, wer seid ihr?“ Der Alte lächelte: „Ich bin der Anführer vom Volk des Windes und der Wind erzählt uns so manches.“ Der Alte schmunzelte als er Beccis aufsteigende Verwirrung bemerkte und sprach weiter: „Jeder Mensch bekommt bei seiner Geburt ein Mitglied des Volkes des Windes an seine Seite gestellt um über dessen Träume zu wachen und Firus ist dein Wächter und wird dich wieder nach Hause bringen.“

Becci wusste nicht so recht, was sie sagen sollte: „Ich... ich... träume also gerade? Aber das kann gar nicht sein, ich war doch gar nicht müde!“ Der Alte stand auf und legte beruhigend einen Flügel auf ihre Schulter: „Doch Becci, du träumst, sehr tief sogar. Denn du bist krank und hast eine Reise durch deine Traumwelt gemacht um schneller zu genesen.“ Becci blieb nicht die Zeit um zu antworten, da schon Firus ins Zelt trat: „Herr, ihr hattet mich rufen lassen?“ Firus’ Blick fiel dann aber auf Becci und schloss diese lächelnd in seine Flügelarme: „Becci, wir haben uns ja schon ewig nicht mehr gesehen!“ Becci stammelt vollkommen überrascht: „Das... das... stimmt wohl...“ Firus ließ Becci wieder los: „Du solltest wieder öfter träumen... du siehst ja was passiert, wenn du es nicht tust... oder bist du etwa gerne krank?“ Becci schüttelt nur den Kopf während der Alte sagte: „Firus bring sie nach Hause, du weißt schon warum.“ Firus nickte und schob Becci aus dem Zelt, ohne das diese sich verabschieden konnte, hinaus auf die Lichtung. Auf der Lichtung breitete Firus seine Schwingen aus und bedeutete Becci aufzusteigen, die dies auch zögerlich tat. Firus sagte noch: „Halt dich gut fest Becci!“, und erhob sich dann mit ihr in die Lüfte.

Becci schreckte aus ihrem Traum hoch und rief: „Firus!“ Doch Firus war nicht mehr da, lediglich Frank saß neben ihr und fragte lächelnd: „Gut erholt mein Engel? Du siehst schon wieder viel besser aus.“ Becci ließ sich zurück in die Kissen sinken, lächelte ebenfalls: „Ja, wirklich... ich fühle mich schon viel besser, nur habe ich Durst.“ Frank strich Becci sanft durchs Haar: „Ich habe eine Idee. Ich werde dich jetzt ins Bett bringen, dir dann einen schönen Tee kochen und mich dann zu dir kuscheln. Einverstanden?“ Becci nickte lächelnd und ließ sich widerstandslos von Frank ins Bett bringen. Dort erzählte sie ihm, während sie ihren Tee trank, was sie geträumt hatte. Frank nickte lächelnd und meinte dann kurz vorm Einschlafen: „Ein wirklich schöner Traum mein Engel.“, und glitt dann selbst in einen Traum über das Volk des Windes.

[ES werden immer gerne genommen ;)]
21.02.06, 15:29:10

Khalghor

geändert von: Khalghor - 21.02.06, 15:39:56

Reisen


Svenson lebte nun schon lange auf seinem Hof, er hatte ihn von seinem Vater übernommen und der von seinem Vater. So ging es nun schon seit vielen Generationen, der älteste Sohn bekam den Hof, die Jüngeren wurden ausbezahlt. Doch Svenson war anders als seine Väter, er wollte reisen, die Welt da draußen erkunden und nicht hinter dem Pflug herlaufen, sähen und ernten. Er wollte Abenteuer erleben, wie sie sein Großonkel immer erzählte, er wollte auch die fremden Menschen, die wunderbaren Städte und die exotischen Speisen sehen. Aber er schob wie jeden Tag im Frühjahr den Pflug über den Acker. Am Abend würde er wieder mit schmerzendem Kreuz am Kamin sitzen, schweigsam seiner Frau und den Kindern lauschen und von den Abenteuern träumen.

Während er so das Feld umpflügte, eine Furche nach der anderen zog, sah er in der Ferne einen Reiter, welcher über den Weg jagte. Er kam direkt auf ihn zu und Svenson erkannte das Wappen des Königs auf seinem Rock. Es war ein Meldereiter, der König rief die Miliz zusammen. Jeder solle sich melden und so schnell wie möglich zum Lager kommen. Svenson schnallte den Ochsen vom Pflug, brachte ihn in den Stall, packte seine Sachen und verabschiedete sich von seiner Familie. Endlich konnte er mal auf Reisen gehen und Abenteuer erleben. Er würde fremde Menschen kennen lernen, fremde Städte sehen und fremde Speisen essen. Er würde abends nicht mit schmerzendem Kreuz am Kamin sitzen, wird nicht seiner Frau und seinen Kindern lauschen, sondern ein Abenteuer erleben.

Svenson meldetete sich bei der Miliz, wurde einer Einheit zugeteilt und sogleich in Marsch gesetzt. Abends wurden sie gedrillt im Kampf mit der Waffe. Wer ein Schwert hatte, übte mit dem Schwert, doch die meisten, so wie Svenson hatten kein Schwert, nur Harken, Mistgabeln und Äxte. Und so übte jeder mit dem, was er von zu Hause mitgenommen hatte. Danach gab es ein undefinierbares Mahl und eine unruhige Nacht. So marschierte die Miliz an fremden Städten vorbei, passierte fremde Menschen und roch fremde Speisen. Svenson rieb sich abends die schmerzenden Sohlen, lauschte dem Gebrüll der Offiziere und träumte nicht mehr von Abenteuern.

Dann erreichte die Miliz das Schlachtfeld. Gegenüber stand die Armee des Feindes. Der König des Nachbarlandes hatte dem König von Svenson den Krieg erklärt und hier sollte die Schlacht entschieden werden. Neben der Miliz hatte der König noch seine Infanterie, seine Kavallerie und ein paar Kriegsmaschinen aufs Feld gebracht. Einen Krieg wollte Svenson nicht, er wollte doch nur Abenteuer erleben, friedlich durch fremde Städte reisen, friedlich mit fremden Leuten reden und friedlich fremde Speisen essen. Aber nun lauschte er dem Gebrüll der Heerführer.

Die Schlacht war fürchterlich, die Armee des Feindes war zu stark, die Kriegsmaschinerie mähte einen Großteil der Infanterie und der Miliz nieder. Den Rest erledigte das Heer des Feindes. Svenson erwachte im Lazarett. Blutend lag er auf einer Pritsche, während jemand ihm seine Wunden versorgte. Er hatte wieder diese Schmerzen im Kreuz, doch die kamen nicht vom Pflug. Svenson wollte nun keine Abenteuer mehr erleben, er wollte keine fremde Städte mehr besuchen, nicht mit fremden Leuten sprechen und auch keine fremden Speisen essen. Er sehnte sich nach seinem Heim, nach dem Essen seiner Frau und dem Lärm der Kinder. Doch er lag in einem Zelt und lauschte dem Stöhnen der Sterbenden.

Svenson kehrte nicht in den Kreis seiner Familie zurück. Er verstarb im Zelt der Verwundeten. Der Morgenstern eines fremden Mannes hatte ihm das Kreuz gebrochen. Er starb nahe einer fremden Stadt, fremde Leute warfen ihn in ein Grab und aßen danach fremde Speisen. Svenson wird niemandem über seine Abenteuer erzählen können, nicht seiner Frau, nicht seinen Kindern, nicht seinen Enkeln und Neffen.
10.03.06, 10:52:09

Anonymus

geändert von: Anonymus - 10.03.06, 15:24:06

Reise in die Vergangenheit

Mit einem leisen Quietschen öffnet sich die Dachbodenklappe. Ein Luftzug geht durch den Raum und lässt Staubflocken im goldenen Licht tanzen. Hier und da entsteht Bewegung, eine Kreuzspinne huscht umher, als der Kopf der Frau in der ungewohnten Öffnung erscheint. Mit einem sanften Stöhnen zieht sie sich vollends nach oben und lässt einen zögerlichen Blick über den gesammelten Besitz vieler Jahre wandern. Für einige Augenblicke hält sie inne, Bilder werden zu Zusammenhängen. Schließlich ist es eine alte Eichentruhe, die zum Zentrum ihrer Aufmerksamkeit wird. Der alte Holzboden knarrt unter der Sohle ihrer Hausschuhe, als sie sich langsam, beschwerlich auf jene zubegibt. Sand rieselt zu Boden und bildet dabei in der Luft einen feinen Schleier, als sich der Deckel widerstrebend öffnet.

Anbei einige Muscheln (Wahrscheinlich noch vom Strandurlaub vor ein paar Jahren.)
Die kleine Stricksocke darunter ist älter und trotzdem vertraut, Gedanken an das Kind kommen auf. (Wie die Zeit vergeht… Heute passt sie da sicherlich nicht mehr hinein.) Rote und hellgelbe Wolle ringelt sich in gleichmäßigen Kreisen um sich selbst, bildet hier und da winzige Knötchen. Halb verdeckt ist ein Stück weiße Spitze zu sehen (Wie war das noch? Etwas Neues, etwas Altes, etwas Blaues…) Die graue getrocknete Blume daneben gehört wohl nicht dazu – (oder doch? Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich…) Beenden lässt sich dieses Gedankenspiel nicht mehr – zu fadenscheinig und verdorrt ist die kleine Pflanze inzwischen. (Wer weiß, vielleicht ist das ganz gut so?)
Das ausgeblichene rötlichbraune Bild ist da schon aussagekräftiger. Der feste Griff, mit dem das kleine Mädchen seine Zuckertüte umklammert, lässt Vorfreude erkennen. (Sie weiß noch nicht, was sie erwartet...) – und kann deshalb nur erahnen, was die Zeit ihr bringen wird, während sich kräftiges Schwarz-Weiß in verwaschenes Sepia wandelt.
Tiefer und tiefer geht die Reise… bis in die dunkelsten Bereiche der Truhe. Minuten werden zu Stunden, während Jahre zu Jahrzehnten werden und sich die Schätze der Vergangenheit in immer rascherem Tempo entfalten. Längst sind alle Farben verblasst, (die Gesichter sind ernst geworden, die Mienen strenger). Die Staubflocken haben sich gelegt – ihr Tanz hatte schon lange bevor das Licht endgültig von golden über bernsteinfarben in rot überging jegliche Kraft verloren.

Die Stimme des Mannes, welcher soeben voller Vorfreude sein Heim betrat, ist anfangs nur zu ahnen. Wie ein zarter Hauch umweht sie die Frau. Doch schnell gewinnt sie an Kraft, wirkt fast überrascht, nicht sofort die gewohnte Beachtung zu finden. Mit zunehmender Lautstärke wird sie schließlich zum ausgestreckten Arm, der selbst die tiefsten Tiefen der Truhe erreicht. Ihre Antwort schließt den Pakt und durchtrennt damit die Fesseln, die sich fast unmerklich, geradezu unheimlich um den Verstand der Frau gelegt haben. (Oder ist es umgekehrt – Ist er ihre Fessel?)
Der Deckel der Truhe jedenfalls schließt sich fast genauso unwillig, wie er sich vorher geöffnet hat – (Fast als würde man jemanden zweimal begraben). Verschlossen ist nun wieder das Lager der Erinnerungen. Der Gedanke entlockt ihr ein leises, fast wehmütiges Lachen. Das Schließen der Dachbodenklappe lässt es verstummen. Der Tanz der Staubflocken währt diesmal nur wenige Minuten – dann sind die Spinnen wieder allein…

12.03.06, 17:21:42

Catalina

Dunkle Verheißung

Die Nacht war schon hereingebrochen, als er sich vor das frische Grab kniete. Mit Tränen in den Augen legte er einen Strauß Rosen auf die regennasse Erde. Rote Rosen waren die Lieblingsblumen seine Zwillingsschwester gewesen. Voller Sehnsucht blickte er auf das schlichte Holzkreuz, das vom Mondschein in ein fahles Licht getaucht wurde. Je länger er regungslos vor dem Grab kniete, desto mehr spürte er den Hass in sich aufsteigen. Den Hass auf die Mörder seiner Schwester. Dakryon schluckte, holte ein paar Mal tief Atem und ballte in hilfloser Wut die Fäuste.
„Ich schwöre dir, Alianna, ich werde deinen Tod rächen. Ich werde die Männer finden, die dir das angetan haben und ich werde sie vernichten!“ Seine Stimme war voller Abscheu, als er an die beiden Mistkerle dachte, die seine Schwester überfallen hatten. Alianna hatte sich zur Wehr gesetzt und das musste sie mit ihrem Leben bezahlen.
Leiste diesen Schwur nicht, Dakryon.
Verwirrt blickte er sich um. Es war die Stimme seiner Schwester, die er vernahm.
„Alianna?“ Mit dem Handrücken wischte er sich die Tränen aus dem Gesicht, um besser sehen zu können.
Höre auf dein Herz und du wirst das Richtige tun. Dakryon blickte wieder auf das Kreuz, als er erkannte, dass seine Schwester nur in Gedanken zu ihm sprach.
„Ja, ich werde das Richtige tun. Ich werde deine Mörder zur Strecke bringen!“
Nein, tu es nicht. Großes Unheil wird über unser Dorf kommen, wenn du meinen Tod rächst.
„Was meinst du damit, Alianna? Was hat das zu bedeuten?“
Schließe deine Augen, Dakryon, und du wirst verstehen. Dakryon tat wie ihm geheißen und schloss seine Augen.
Er fand sich am Rande des kleinen Waldes wieder, nicht weit von dem Dorf entfernt, in dem er wohnte und das sich in einer Talsohle erstreckte. Dakryon wusste nicht, wie er hierher gekommen war. Und noch bevor er erkennen konnte, was hier vor sich ging, hörte er die Schreie. Und die Geräusche eines Kampfes. Hastig rannte er auf das Dorf zu. Als er das Tal fast erreicht hatte, blieb er stehen und blickte in das Dorf hinab. Schon von weitem konnte er Feuer erkennen. Die Häuser brannten lichterloh. Dakryon erstarrte. Einen nicht enden wollenden Moment war er wie gelähmt. Doch dann kehrte der Kampfgeist in ihn zurück. Nackte Wut trieb ihn voran, als er mit gezogenem Schwert in das Dorf rannte. Um ihn herum herrschte Chaos. Es roch nach verbranntem Fleisch und Tod. Die Dorfbewohner rannten umher, kreuzten ihre Klingen mit denen der Feinde. Dakryon stürzte sich in das Gewühl, konnte gerade noch rechtzeitig dem Schwert eines Angreifers ausweichen und stieß ihm im selben Atemzug sein Schwert zwischen die Rippen. Der Mann ging zu Boden und Dakryon wandte sich dem nächsten Angreifer zu. Die Wut vernebelte ihm die Sinne, sein Atem ging keuchend, während er blindlings auf seine Gegner eindrang. Unwillkürlich trat er dabei gegen verwundete und sterbende Menschen. Das Geklirr aufeinander prallender Schwerter war ohrenbetäubend. Noch während sich Dakryon einzig und allein darauf konzentrierte am Leben zu bleiben, sah er etwas abseits eine Gestalt im Gras liegen. Dakyron entledigte sich des Angreifers, indem er ihm sein Schwert in die Brust stieß. Sofort näherte er sich der leblosen Gestalt am Boden. Dakryon blieb stehen, krümmte sich und kämpfte würgend gegen einen überwältigenden Brechreiz an, als er seinen Vater erkannte.
„Oh mein Gott, NEIN!“ Der Schmerz und die Wut über diesen Verlust ließ Dakryon aufschreien. Heftig schüttelte er den Kopf, nicht bereit, das Geschehene zu akzeptieren. Einen Augenblick lang konnte er keinen klaren Gedanken mehr fassen, er war nur noch nach dem Wunsch nach Rache beseelt. Mit hassverzerrtem Gesicht wandte er sich wieder der Schlacht zu, als plötzlich eine Klinge tief in seinen Leib stieß. Ein sengender Schmerz schoss durch seinen Körper. Fassungslos starrte Dakryon die Klinge an, die aus seinem Bauch ragte. Sein Schwert fiel zu Boden, schwankend blieb er stehen, die rechte Hand gegen den Bauch gepresst. Erst jetzt wurde er sich des Mannes bewusst, der hämisch lachend vor ihm stand.
„Ich habe am Grabe meiner Brüder geschworen, dass du deine gerechte Strafe bekommen wirst, Mörder!“ Dakryon nahm nur undeutlich die hasserfüllten Worte wahr, die dieser Mann ihm entgegenschleuderte.
Dakryon verstand nicht. Die Worte dieses Mannes ergaben keinen Sinn. Er kannte ihn nicht einmal.
Doch dann begriff er.
Das boshafte Lachen dieses Mannes wurde immer leiser und Dakryon glaubte, in ein tiefes schwarzes Loch zu fallen. Er sank auf die Knie, die Welt verschwamm vor seinen Augen.

Es regnete, als er erwachte. Hastig griff er sich an den Bauch. Das Schwert war verschwunden. Er war unverletzt. Dakryon sah sich noch etwas benommen um. Erst jetzt erkannte er, dass er immer noch vor dem Grab seiner Schwester kniete. Das eben erlebte, war nicht geschehen. Noch nicht. Nun wusste Dakryon, was passieren würde, wenn er den Tod seiner Schwester rächt. Alianna hatte ihm eine Reise durch die Zeit ermöglicht.
Dakryon war hin- und hergerissen. Seine Gedanken drehten sich im Kreis. Er konnte nicht zulassen, dass das gesamte Dorf vernichtet wurde. Doch er konnte auch die Mörder seiner Schwester nicht ungeschoren davonkommen lassen. Was sollte er nur tun? Dakryon war ratlos.
Als er eine ganze Weile später sein Heim betrat und sich in sein Nachtlager legte, betete er um ein Zeichen. Ein Zeichen, das ihm den Weg weisen würde.

Tage später erzählten sich die Leute im Dorf von einem mysteriösen Ereignis, das sich in einem Nachbardorf zugetragen hatte:
Des Nachts, als die meisten Leute schon friedlich in ihren Betten schliefen, wandelte eine Gestalt in weißen, wehenden Gewändern durch das Dorf. Es war eine Frau mit langen schwarzen Haaren. Die Menschen, die diese Frau zu Gesicht bekamen, berichteten von einer schemenhaften Erscheinung, die von innen heraus zu leuchten schien. Geradewegs ging sie auf ein Haus zu, das von zwei Brüdern bewohnt wurde. Die Erscheinung schwebte durch die geschlossene Tür und kurz darauf waren markerschütternde Schreie zu hören. Nicht viel später schwebte die Erscheinung wieder ins Freie und verschwand im Dunkel der Nacht. Die Augenzeugen haben daraufhin das Haus der Brüder betreten. Was sie dort erblickten, ließ ihnen das Blut in den Adern gefrieren. Mit weit aufgerissenen Augen waren die Brüder, mit ihren eigenen Dolchen, an die Wand genagelt. Die Klingen ragten aus ihren Hälsen. Ein Anblick des Grauens.
Gespannt hatte Dakryon den Erzählungen der Dorfbewohner gelauscht.
„Gut gemacht, Alianna“, flüsterte er. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem Lächeln.



(DPs können nie schaden)
01.04.06, 18:41:39

bienie

Verschmorte Liebe

Da saßen sie nun, versammelt in einem Kreis ums Lagerfeuer. Ihre Sohlen brannten, ihre Füße schmerzten, so gut wie jeder von ihnen hatte Sehnsucht nach Zuhause, nach ihrer Heimat. Wie viele Tagesmärsche gingen sie wohl schon? Wie lange streiften sie wohl so schon durch die Wiesen, Wälder und Gebirge? Keiner von ihnen wusste es. Es war einfach zu lange. Monate vielleicht, wenn nicht sogar Jahre waren bestimmt schon vergangen. Ob sie wohl jemals zurück finden würden? Zurück zu ihren Familien? Der Krieg hatte schon genug Opfer gefordert. Dieser Meinung waren die meisten, wenn nicht gar jeder. Täglich betteten die Nonnen und Mönche zusammen mit den Familien der vermissten Krieger, unter dem heiligen Kreuz Jesu. Sie beteten für ihre Rückkehr, dafür das sie es heil überstehen, dafür das sie nicht fallen, in diesem mehr als grausamen Krieg der Götter. ...
,,Wann kommen wir endlich an?!", raunzte Kain, einer der Krieger. Er stemmte seine Hand auf sein Schwert, dessen Klinge blutüberströmt in den Boden ragte. ,,Gedulde Dich gefälligst!", ertönte es von hinten. Kain drehte sich leicht genervt um. ,,Musst Du grade sagen, Zwerg! Du bist doch mindestens so kampfversessen wie ich!" Sildor, ein etwas älterer Zwerg, raunzte zurück: ,,Kampfveresessen schon, aber weitaus nicht so unüberlegt und dumm wie Du!"
,,Genug jetzt!", raunzte Darmon dazwischen, bevor sie erst richtig angefangen hatten und beleidigend geworden wären. Beide sowohl Zwerg als auch Mensch drehten sich in Richtung Darmon um. Ein Grummeln ertönte, danach toten Stille. Vor ihm hatten sie einfach zu viel Respekt, denn er war das Oberhaupt.
Nessa, eine gut aussehende und noch recht junge Elfe, welche das ganze aus den Schatten heraus beobachtet hatte, begann zu lachen. "Richtig so! Ich bin es Leid mir dies abermals und abermals anhören zu müssen..." Eleganten Schrittes ging sie auf Darmon zu und legte ihre Hände auf seine Schultern, während sie sich an ihn schmiegte. Darmon schien das ganze recht wenig zu interessieren. Seine Blicke fielen eher auf Kain und Sildor, bevor er sich abwandte und zurück ins Zelt ging. Nessa sah ihm nach, doch statt fragenden Worten schenkte sie ihm lediglich einen fragenden Blick. Seufzend wandte auch sie sich von Mensch und Zwerg ab. Sie folgte Darmon.
,,Was sollte das?", meinte sie leicht mürrisch, wie ebenfalls gekränkt, als sie das Zelt betrat. Liebte sie es doch einfach zu sehr sich an ihn zu schmiegen, seine Nähe zu spüren. Darmon lächelte leicht, ergriff ihre Hände und zog sie an sich heran. Dann schlang er einen seiner Arme um ihren Leib und presste sie gegen sich, ganz nah. Sie konnte seinen Atem spüren. Dann beugte er sich zu ihrem Ohr und raunte leis': ,,Du weißt doch was ich Dir sagte?" Leise flüsternd erwiderte sie: ,,Und Du weißt doch wie ungern ich mich daran halte…" Leicht stichelte sie ihn, indem sie ihn in die Seite zwickte.
Genau in diesem Moment ertönte ein Schrei von draußen. Klingen schepperten, Panzer brachen und Blut floss. Darmon ließ augenblicklich von Nessa ab, zückte sein Schwert und stürmte aus dem Zelt. Nessa blieb zurück, sah ihm enttäuscht nach und beschloss das Zelt nicht zu verlassen, da sie unbewaffnet war, was ihren Tod hätte bedeuten können. Wieso war sie auch ausgerechnet bei einem Angriff unbewaffnet? Was fiel ihr bloß ein? Sonst war sie doch immer so vorsichtig gewesen.
Darmons Herz raste, sein Blut schien ihm in den Adern, bei diesem schauderhaften Anblick, zu gefrieren. Unzählige Orks hatten seine Leute hinterrücks angegriffen. Niemand rechnete damit, denn ausgerechnet die Orks waren ihre Verbündeten gewesen. Darmon schrie von Zorn geleitet auf und rannte auf sie zu. Er stach einen nach dem anderen nieder. Für ihn war es ein Kinderspiel, denn er beherrschte seine Klinge wie kein Zweiter. Seinen Mannen allerdings erging es weniger gut. Unzählige lagen schwer verwundet am Boden - waren am sterben.
Aufgeregt lief Nessa im Zelt umher. Was würde da draußen bloß vor sich gehen? Sie war unsicher und leicht verängstigt - berechtigt. Ein verrücktes Gelächter riss sie aus ihren Gedanken. Einer der Orks war ins Zelt gestürmt und betrachtete sie finster. Sie wich einen Schritt zurück, wollte ihm entgehen - vergebens. Bevor sie sich versah, packte er sie sich. ,,Ah.. Na, Du hübsches Ding …", flüsterte er ihr zu. Nessa zappelte wie verrückt. Sie wollte seinem starken Griff entgehen. Der Ork wurde zornig und schubste sie zurück, zu Boden. ,,Ich kann auch anders!", fauchte er dabei. Leicht verängstigt sah sie zu ihm auf und überlegte, was sie nun tun solle. Der Ork lachte erneut, als er ihre Verzweiflung sah und hielt ihr die Schneide seiner Axt an die Kehle, jederzeit bereit sie durchzuschneiden, war er jetzt. Noch bevor Nessa irgendetwas tun konnte, rannte der Ork aus dem Zelt. Es brannte! Nessa wollte auch rausrennen, doch konnte sie nicht, sie ließen sie nicht. ,,Darmon!", schrie sie in ihrer Verzweiflung. Immer und immer wieder. Doch vergebens. Er hörte sie nicht. Der Qualm brannte in ihrer Lunge und schien sie zu ersticken. Sie musste daraus. Sie musste! Sie konnte doch nicht einfach …Immer wieder versuchte sie einen Ausweg zu finden, sich irgendwie zu befreien. Letztendlich jedoch war es zu spät. Die Flammen hatten sie umzingelt und schienen sie verspeisen zu wollen...
Darmon vernahm erst in diesem Moment, dass sein Zelt brannte. Obgleich des Kampfes, den er grade mit einem Ork führte, rannte er zum Zelt. ,,Nessa!", schrie er. Doch es war zu spät. Der Gestank von verbrannter Haut lag in der Luft. Er wusste was das hieß, doch wollte er es nicht wahr haben. Sie konnte doch nicht....? Schreckliche Schuldvorwürfe machten sich in ihm breit. Aber vielleicht war sie ja auch entkommen?
Der Ork von vorhin folgte ihm. Es war der gleiche der Nessa dort einsperrte. ,,Ohh.. war das etwa Deine kleine Freundin, Mensch?", meinte er abfällig. Dann klang er ironisch. ,,Das tut mir aber Leid." Nun lachte er. Darmons Augen funkelten Hass erfüllt. ,,Bastard!!", schrie er, ,,Elender Bastard!!" Er hob seine Klinge an, machte sich kampfbereit und stürmte auf ihn zu. Noch bevor er reagieren konnte, hatte Darmon ihn auch schon erstochen - zu seinem Pech, denn genau in diesem Moment war er unachtsam. Er sah an sich hinab. Eine Klinge ragte aus seinem Bauch hervor.
Sein Untergang - ihr Untergang...?
03.04.06, 09:59:03

Zabanja

Danke an alle, die mitgemacht haben.
Hier die Gewinner. Die beiden anderen bitte NICHT traurig sein, auch eure Geschichten waren super!

1. Platz: Khalghor
2. Platz: Catalina
3. Platz: Chaya

 
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