Spaßige Schriftwechsel mit verschiedenen Institutionen.

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04.02.06, 16:35:25

Tsukasa

Ich habe mir mal wieder erlaubt, was neues für das Forum auszudenken mit diesem Thread. Sinn ist es "lustiges", aber vor allem wahre Schreiben an Behördern, Serviceleister, Fernsehsender, u.a. hier abzudrucken und zwar von Anfang bis Ende. Die Idee kam mir, als ich eben aus Versehen beim zappen über RTL 2 stolperte und da eines dieser beliebten TV-Quizze lief. Was gefragt wurde und wieso ich mich darüber eschoffiert habe seht ihr in dem angeführten Schreiben an den Sende:
Zitat von Tsukasa:

Sehr geehrte Damen und Herren,

egal wie man zu den Schwierigkeitsgraden von TV-Quizzen steht, kann es nicht so sein, dass man keine korrekte Antwort geben kann.
Als ich eben in Ihrem Werbeblock das folgende Quiz sah musste ich schon fast vor Lachen zusammenbrechen.

"Wie nennt man unser Milchstraßensystem?"
a) Galaxie
b) Gallerie

An dieser Stelle fällt dem Menschen, der auch nur einen Hauch an Schulbildung hat, auf, dass weder a) noch b) eine korrekte Lösung enthalten.
Ich glaube bei "Gallerie" stimmen Sie mit mir überein, dass es nicht korrekt sein kann.
Zur Antwort "Galaxie" ist zu sagen, dass dieser Begriff zwar ein Synonym (ein sinngleiches Wort) für "Milchstraße" ist, aber ein "Milchstraßensystem", nach dem Sie ja fragten, also ein System aus Milchstraßen (=Galaxien) kann man nur entweder als "Galaxiehaufen" oder als "Lokale Gruppe" bezeichnen. Ergo kann niemand Ihrer Anrufer als Gewinner bezeichnet werden, schon allein deshalb nicht, weil keiner bei der richtigen Antwort anrufen kann.

mit freundlichen Grüßen


Die erste Antwort darauf fand ich schonmal richtig spaßig, wie jede computergenerierte Antwort auf elektronisch zugestellte Post nunmal ist, auch wenn ich mich etwas beleidigt fühlte, als "RTL II User" bezeichnet zu werden. Ich frage mich dann doch gleich ob es wirklich einen Sinn macht, dass Sie etwas von "Lob" in ihrer Danksagung erwähnen gibt es da was lobenswertes?:

Zitat von RTL 2:
Liebe RTL II Userin, Lieber RTL II User,

wir freuen uns über Ihre Anregung, Ihr Lob und auch Ihre Kritik sind uns willkommen!

Vielen Dank für Ihre Nachricht.
Sie werden in Kürze von uns hören.

<neue Anfrage> ... <Schliessen>


ich weiß auf jeden Fall dass bestimmt noch einige "neue Anfragen" kommen werden und bin auf die Antwort gespannt wie ein Flitzebogen
24.06.07, 19:22:14

Tsukasa

"Und am siebten Tag ging Gott der graue Staub aus und er schuf die Schaffner und Schaffnerinnen der deutschen Bahn ..." So ähnlich begann meine Unterhaltung mit der mir gegenübersitzenden Studentin im Zug heute. Etwa 2 Minuten zuvor kam die neuhochdeutsch "Zugbegleiterin" bezeichnete Dame zu unseren Plätzen und erbat mit einem missmutigen "Fahrkarten von Zugestiegen!" unsere Fahrausweise. Dem Drang nach einem hübsch grünen, vom Jahre 82 eines 74-jährigen Rentners zu fragen (Das Sammlerexemplar, welches mir noch fehlt) konnte ich nur mit Mühe und Not widerstehen, schaffte das aber. Hingegen grüßte ich mit einem freundlichen "Schönen guten Tag, ich bräuchte bitte noch einen Fahrschein von K. nach A. mit Bahncard 50. Leider weigert sich der Automat mein Geld anzunehmen, da ihm das Wechselgeld fehlt und mir der Geldautomat leider kein Klargeld gab und sie waren bei meinem Einstieg eben im anderen Waggon (ihr kennt ja die netten regionalbahnwaggons die man nicht ohne Aus- und wieder Einzusteigen)." Im selben Atemzug halte ich der wohlgenährten Moppträgerin meine Bahncard entgegen um ihr den Besitz selbiger zu bestätigen. Sie geht ans Werk und hackt auf ihrem Terminal herum um mir mit einem selbstgefälligen Grinsen "Fünf zwanzig" an den Kopf zu werfen.
Ich, der ich diese Strecke schon seit beinahe 5 Jahren befahre, kenne den korrekten Preis nicht nur, weil ich ihn 5 Minuten zuvor noch am Fahrkartenautomaten, der mein Geld ja nicht wollte, gesehen habe, sondern auch schon aus Prinzip und weiß genau, dass ich nie mehr als 3,20 € dafür zahlen werde. Mit einem skeptischen Blick frage ich "Verzeihen sie bitte, gab es denn eine mir entgangene Preiserhöhung seit genau jetzt? Schließlich sagte mir selbst ihr Automat noch eben, dass das Fahrentgeld doch nur ganze 3,20 € betrage." Sie streicht sich eine ihrer speckigen Locken aus dem Gesicht und sagt nochimmer dumm grinsend "Fünf zwanzig!" was mit einem Wegstecken meines Portemonnaies kommentiert wird und der Frage "Weswegen?". Ihr grinsend schwindet der resignierenden Erkenntnis, einen kompletten deutschen Satz mit mir sprechen zu müssen und so sagt sie: "Sie haben das Ticket vor Fahrtantritt zu kaufen." Ich denke mir und sage es auch direkt: "Achso, dann muss ich das Ticket also an dem NICHTexistenten Fahrkartenautomaten auf dem NICHT mit humanoiden Lebensformen besetzten Bahnhof in K. erstehen oder aber an dem Automaten im Zug, der sich weigert mein Geld anzunehmen?" Von einer unerwarteten Beredtsamkeit gezeichnet erläutert die Uniformierte mir: "Sie hätten das Ticket ja schon Gestern oder vorige Woche kaufen können..." doch bevor sie ihren Redeschwall für gut befinden kann und weiterseiert unterbreche ich "Verzeihung, aber woher sollte ich voorige Woche wissen, das ich heute mit diesem Zug fahren muss, und selbst wenn ich es gestern gewußt hätte, wäre der nächste Fahrkartenautomat so weit entfernt gewesen, dass ich billiger gekommen wäre, direkt mit dem Taxi nach A. zu fahren als die Strecke zu diesem und zurück, damit ich dieses Ticket erstehen kann." Mit einem hämischen Grinsen sagt sie Fünf zwanzig und ich vermute, sie hatt diesen Satz soeben von ihrem Halter beigebracht bekommen und freut sich nun wirklich die Worte deutlich artikulieren zu können und so denke ich mir, der Hirnbesitzende gibt nach, zahle ihr den gewünschten Preis und begebe mich in A. angekommen direkt zum Beschwerdeschalter, wo mir die Verantwortliche nach Schilderung meines Problems direkt ein Formular reicht welches ich ihr mit obiger Geschichte fülle und mit einer Kopie des Tickets versehe. Mit den Worten "Sie haben sehr hohe Chancen", die Frau Z nur mühsam ein Lachen zurückhaltend sagt, dachte ich würde ich verabschiedet doch dann fügt die nette Beschwerdeannehmerin hinzu: "und ein sehr gutes Talent ihren Fall detailgetreu zu schildern. Ihre Schreibstil ist sehr lustig." Etwas beruhigt von dem Gedanken von ihr zuerst ausgelacht worden zu sein, füge ich entgegne ich: "Mir wäre es lieber so eine Geschichte zu erfinden, als sie nur berichten zu können.". Mit einem verständigen Nicken und einem freundlichen Gruß verabschieden wir uns. Als ich endlich daheim angekommen, schicke ich Kopien des Formulares via Email und Fax, sowie Brief erneut an die Beschwerdestelle, und veröffentliche sie schließlich hier um eure gesegnete Meinung zu erfahren.

Um die Geschichte noch abzuschließen sei gesagt, dass T.-L. (die nette Studentin mir gegenüber) vor einigen Wochen eine ähnliche Begebenheit hatte, ihr aber der Mut fehlte dies in Schriftform anzubringen und sie auf der 2-Euro-Strafe (62,5% des eigentlichen Fahrpreises) sitzen geblieben ist. Ich bin gespannt, was sich nun ergeben wird bezüglich meiner Beschwerde.
 
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