29.12.06, 23:06:32
Gelara
geändert von: Gelara - 13.01.07, 22:12:06
EDIT: Ich suche noch nach einer richtigen Überschrift für diese wirklich sehr kurze Geschichte. Es war eine Dehnübung sozusagen, die ich vor einigen Wochen verfasst habe, und ich hätte gern eine Meinung und vielleicht ein wenig Hilfe bezüglich eines Titels. Danke im Voraus :)
Mide rannte und rannte, rannte um ihr Leben, blind vorwärts hinein in den Wald. Das Gestrüpp zerrte an ihrem bordeauxfarbenen Linnenkleid, zerkratze ihre vornehmen schlanken Beine und Arme. Sie hielt nicht an, niemals, auch wenn sie fiel rang sie sich so schnell wieder dazu durch weiterzustolpern. Überall um sie her zuckten Schatten durch die Bäume, und den Mond erkannte sie nur noch als schwachen Schimmer, der ab und an den unwegsamen Boden vor ihren Füßen berührte. Sich einzureden, die Schemen seien nur Lichtspiele und Täuschungen, hatte sie lange genug versucht. Oh, hätte sie sich doch nur nicht mehr hinausgeschlichen heute Nacht!
Etwas riss an ihrem Haar, zog sie so stark zur Seite, dass sie angsterfüllt aufschrie und die feingliedrigen Porcellainhände schützend vorm Gesicht zusammenschlug. Mit beiden Armen gelang es ihr gerade noch so den Sturz auf die dornige Flora abzubremsen. Panisch versuchte sie sich hochzukämpfen, doch dazu war es schon zu spät. Ihr war ein Fehler zu viel unterlaufen. Ringsumher hörte sie das Knacken und Zischen, Fauchen und gehässige Lachen der Kreaturen, die sie zu Fall gebracht hatten. Ihr ganzer Leib zitterte und jede einzelne Faser der jungen Adligen wollte nur fort von hier. Das Herz schmerzte ihr, der Blick langsam verschwommen von all den Stürzen und der quälenden Hetzjagd.
Dennoch, als sie den sanften, aber bestimmten Druck an ihren Flanken spürte sah sie ihren Verfolger so klar wie nie. In der Stadt hatte er groß, kräftig und ehrfurchterbietend ausgesehen, heldenhaft und einfach nur anziehend, nun erkannte sie, dass er bedrohlich war, stark, furchteinflößend. Aristokratisch blass und wohlgebaut wandelte sich in Schneeweiß und zerbrechlich, mit einer furchtbaren Brutalität und Kälte...
Sie wollte nicht, dass er sie berührte. Mit all ihrer verbliebenen Kraft schlug sie um sich, doch auch wenn sie ihn traf ließ er sich nicht beirren, der seltsame Fremde, der unbekannte Durchreisende. Mide hatte das Gefühl ihm immer mehr zu erliegen, je heftiger sie sich wehrte. Ihn schien es auch zu amüsieren, denn seine Lippen legten lächelnd eine Reihe blitzender Fangzähne frei. Diese Belustigung erreichte jedoch den Rest seiner feinen, harten Gesichtszüge nicht, die im Licht der Taverne so markant männlich gewirkt hatten. Wie blind war Mide gewesen! Die reine Furcht sprach aus ihr, als sie ihn mit von Erschöpfung erdünnter Stimme anfuhr, beinahe wahnhaft die Worte überschlagend: „Ihr seid... ein.. Monster.. Lasst mich! Geht, hört auf.. Verschwindet!“ Sie spürte es. Sie wollte es nicht wahrhaben... Schwärze drängte sich immer mehr in ihre Gedanken. Ihre Angst, diese grausame, beinahe materielle Angst, die ihr wie ein Dolch einen Stich nach dem anderen versetzte, hatte schon lange die Überhand gewonnen.
Mide erschlaffte in den Armen der Kreatur, die sie inzwischen in ihren Schoß gebettet hatte und ihr Gesicht mit einer Hand nah an sein eigenes brachte... Als ob er mehr als nur einen Geruch erhaschen wolle, schmiegte er sich in ihr volles braunes Haar und atmete schwer. Langsam nahm er das Mädchen noch mehr an sich. Für ihn war ihr Gewicht beinahe ein Nichts.. Vorsichtig, beinahe genüsslich krallte er sich mit der Hand in ihrem Nackenhaar fest und zog ihr Haupt nach hinten, dehnte ihr Genick ungnädig immer weiter, und suchte mit den gierigen marineblauen Augen ihren Hals ab, glitt einen Moment tiefer, bis an den Rand ihres Mieders, schmeichelte mit der freien Hand ihrer so vollendet weiblichen Form.
Sein Blick war der eines Trunkenen, verfing sich an einer Stelle ihrer Erscheinung. Dort, unter der dünnen Haut, pochte sein tiefstes Begehren hinweg, unablässig und in köstlichen Mengen.
Der Lärm der Schatten war so laut und dicht geworden, dass dieser Fleck mitten im Wald vom Rest der Welt abgeschnitten schien. Kein Fleck Mondlicht tanzte mehr auf den Bäumen. Mides Welt bestand nur noch aus Dunkelheit und Albträumen, alles, was dieser Mann ihr gelassen hatte... Cestan.. Wenn er nur nie in ihr Leben getreten wäre...
„Keine Angst, Liebes.“, flüsterte er und legte seine Lippen an ihren Hals, direkt unter ihr Kinn, „Es ist bald vorbei...“, striff etwas weiter nach rechts davon, „Du wirst nicht mehr zu diesen Bastarden und Betrügern zurückmüssen. Mide, meine kleine Mide. Du wirst frei sein. Du wirst ewig sein, meine kleine Prinzessin. Ewig mein.“, und versenkte seine Zähne in ihrem weißen Fleisch...